Die Schockwelle an den Börsen hat am Dienstagmorgen auch Europa erreicht. Zur Eröffnung fiel der Dax um mehr als zwei Prozent auf 5667 Punkte – das ist der tiefste Stand seit August 2006. Bereits am Montag war der Leitindex um 4,2 Prozent abgestürzt. Das Minus fiel allerdings nicht so groß aus wie in den USA und an den asiatischen Märkten. Später erholte sich der Index etwas, am Nachmittag stand er bei über 5.730 Punkten.

Nach einem morgendlichen Sinkflug gewannen im Laufe des Tages auch die Nebenwerte: Der MDAX drehte nach anfänglichen Verlusten von zwei Prozent ins Plus und stieg um 1,25 Prozent auf 6905,72 Punkte. Der TecDAX, heute morgen noch mit vier Prozentpunkten im Minus, gewann im Laufe des Tages 0,80 Prozent und landete bei 680,88 Zählern.

Die Kursstabilisierung gründet nach Aussagen von Börsianern auf der Hoffnung, Europäische Zentralbank und US-Notenbank würden Leitzinsen in naher Zukunft nochmals die Zinsen senken. "Eine echte Entwarnung gibt es aber nicht und die Lage bleibt sehr angespannt", erklärte ein Börsianer, "Man muss zurzeit von Tag zu Tag reagieren, anders geht es nicht, denn so eine Situation gab es noch nie." Nach der Ablehnung des US-Rettungsplans für notleidende Banken im Repräsentantenhaus hatten Beobachter zunächst mit ähnlich großen Kursverlusten wie an den anderen internationalen Börsen gerechnet.

Die Börse in Hongkong erholte sich nach anfänglichen Verlusten und verzeichnete zum Börsenschluss leichte Gewinne. Der Hang Seng Index ging 0,8 Prozent fester aus dem Handel bei 18.016 Punkten. Der H-Index der Aktien vom chinesischen Festland stieg um 1,3 Prozent auf 9070 Punkte. Die Börse in Shanghai hat die gesamte Woche wegen Feiertagen geschlossen.

Unterdessen werden die Zentralbanken den Worten von EZB-Ratsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo zufolge den Banken weiter kurzfristige Milliardenkredite zur Verfügung stellen, um die Geldmärkte zu stabilisieren. Die Finanzinstitute leihen sich gegenseitig so gut wie kein Geld mehr, weil sie einander nicht mehr vertrauen. Die Gelder der Notenbanken sollen diese Lücke stopfen.

Die zusätzliche Liquidität habe die "Verspannungen" bereits abgemildert, sagte Gonzalez-Paramo am Dienstag in Madrid weiter. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten sich verstärkt und der Interbankenmarkt, an dem sich die Institute gegenseitig Geld leihen, sei ausgetrocknet. Die Krise zeige, dass die grenzüberschreitenden Liquiditätsströme ernsthaft beeinträchtigt werden könnten. Es sei von größter Wichtigkeit, die Liquiditätslage der Märkte wieder zu stabilisieren.