"Wenn Richard Wagner oder Beethoven meine technischen Möglichkeiten zur Verfügung gehabt hätten, würden sie ähnliche Musik komponiert haben." Moment mal, wer sagt denn so was – über sich? Bono? Bohlen? Stockhausen? Fast hätten wir ihn vergessen, es ist Michael Cretu.

Was hat der mit den großen Komponisten zu tun? Schließlich hat er Sandra produziert. Seit einigen Jahren gibt er mit seinem Projekt Enigma der Autogrill-Esoterik eine akustische Entsprechung. Enigma klingt nach Dampfsauna, über den Tönen liegen Schwaden eines ewig gleichen Studiohalls, der alles Konkrete im Keim sediert. Cretu nennt das Klangalchemie.

Im Interview mit der Fernsehbeilage Prisma sagt er: "Enigma ist zeitgenössische Klassik. Weil ich die Weisheit, die in der Folklore des Obertongesangs aus Tibet steckt, mit der Moderne verbinde." Auch von HipHop-Musikern aus der Bronx fühlt er sich beeinflusst. Dort bekäme er wahrscheinlich die Ohren langgezogen – während Beethoven und Wagner im Grab rotieren. Unsere Leser müssen nicht im Altpapier wühlen, das komplette Interview steht im Netz.

So dick musste Stevie Wonder nie auftragen. Edo Reents hat sein Konzert in Köln gesehen und schwurbelt in der FAZ: "Dieser Musiker mit dem bisweilen irritierend sonnigen Gemüt findet nichts dabei, sich über sein eigenes Handicap lustig zu machen. [...]  Die anhaltende Bedeutung Stevie Wonders, die in der Synthese aus Liebe (in jeder Spielart) und einem sozial-ethnischen Engagement liegt, das im Zweifelsfall nicht mit sich spaßen lässt, war auch in den schwächeren Momenten dieses Konzerts spürbar; die gute Laune ist nur ein Teil davon und sicher nicht der entscheidende. Erst in der zweiten Hälfte gab er sein wirklich Bestes und damit alles: den verkappten Jazz von I Wish mit den stechenden Bläsern, den leidenden Funk von Living for the City, die treibenden ganz alten Klassiker Signed, Sealed, Delivered und For Once in My Life, den überwältigend spaßigen Sir Duke und schließlich, als Höhepunkt, Superstition; mit diesem Blockbuster blies der blinde Mann wie ein Riese durch die Halle." Reents hat schon bessere Texte geschrieben. Hier verhakt er sich in Nebensätzen, Bezüge bleiben unklar. Aber wer will es ihm verübeln – ein Konzert von Stevie Wonder erlebt man nicht alle Tage!

Wussten Sie, dass die Beatles nicht in Israel auftreten durften? 1965 wurde es ihnen vom Regierungskomitee zum Import ausländischer Künstler untersagt. 2008 dürfen sie wieder, können aber nicht. Das hat andere Gründe. Sir Paul McCartney ist dennoch hingefahren.