Dramatische Entscheidung in Washington: Der mühsam ausgehandelte Kompromiss über den Rettungsplan für die amerikanische Finanzbranche ist gescheitert. In einer Abstimmung im US-Abgeordnetenhaus lehnten 228 Parlamentarier das 700 Milliarden Dollar schwere Paket ab. Lediglich 205 stimmten zu.

Die Aktienkurse an der Wall Street reagierten mit einem dramatischen Absturz von sieben Prozent.

Vor allem Republikaner, die staatliche Eingriffe grundsätzlich ablehnen, votierten gegen das Programm, auf das führende Demokraten und Republikaner sich erst nach Marathon-Sitzungen am Sonntag geeinigt hatten. Die Demokraten stimmten in ihrer Mehrheit dafür.

"Wie es jetzt weitergeht, ist völlig unklar", sagte ein Kommentator des Nachrichtensenders CNN. Vermutlich werde es schon in Kürze einen neuen Anlauf geben. Es heißt, das Weiße Haus arbeite schon an einem neuen Rettungsplan.

Bush reagierte nach Angaben eines Sprechers mit "großer Enttäuschung" auf die Niederlage. Er wolle in Kürze mit seinen engsten Beratern zusammentreffen, um weitere Schritte zu besprechen.

Ziel des Programms war es, den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang zu setzen und weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern. Experten hatten immer wieder gewarnt, falls Washington nicht ein klares Zeichen setzt, drohten Panik und weltweite Kettenreaktionen auf den Märkten. Ein erster Entwurf der Regierung war am Donnerstag auf Ablehnung gestoßen.

Bush hatte noch kurz vor der Abstimmung eindringlich dazu aufgerufen, dem am Wochenende von Spitzenpolitikern ausgehandelten Plan zuzustimmen. Er sprach von einer "außergewöhnlichen Vereinbarung, um ein außergewöhnliches Problem anzugehen".

Auch Bush hatte eingeräumt, es handele sich nicht um eine leichte Entscheidung. Das "kühne" Programm könnte jedoch helfen, zu verhindern, "dass die Krise sich durch unsere Wirtschaft hindurch ausbreitet". Auch ein positives Signal an das Ausland sei notwendig.

Zahlreiche Abgeordnete hatten eindringlich vor einem Scheitern des Gesetzes gewarnt.  "Wenn wir diese Gesetz nicht verabschieden, wäre dies ein sehr schlechter Tag für den Finanzsektor und die amerikanische Wirtschaft", sagte der demokratische Abgeordnete Barney Frank.