Es ist Weltfinanzkrise. Der Weltfinanzmarkt reagiert, wie Weltfinanzmärkte in Krisenzeiten reagieren: Die Anleger setzen auf Sicherheit und ziehen panisch ihr Kapital aus sämtlichen unsicheren Wertpapieren ab. Zum Beispiel solchen aus fernen Schwellenländern. Zum Beispiel Russland. In der vergangenen Woche musste der Handel an der russischen Börse sogar ausgesetzt werden, weil die Kurse so rasant ins Bodenlose stürzten. Und das ausgerechnet, während Wladimir Putin in der Olympiastadt Sotschi versuchte, mehr Anleger ins Land zu locken! Trübe Stimmung am Schwarzen Meer. Bis die Sonne durchbrach und von der Börse plötzlich Jubelmeldungen kamen.

Als die Charterflüge in Sotschi landen und die Herren in ihren dunklen Anzügen, hellen Hemden und bunten Schlipsen herausfluten, da ist die Wolkendecke noch dicht. Doch gegen Mittag bricht die Spätsommersonne durch. In der Stadt am Schwarzen Meer ist Investitionsforum, wie jedes Jahr seit 2002, aber noch nie war es so brisant wie in der vergangenen Woche.

"Investitionen anlocken" ist das erklärte Ziel der Veranstaltung. Ausländisches Kapital gewinnen für Firmen und Häuser und Infrastruktur, für Hotels, Wintersportanlagen und Verkehrsanbindungen, auch für die Olympischen Winterspiele 2014. Doch wie soll das in einer Woche gehen, ausgerechnet, in der die Börsen den Handel aussetzten, um eine panikartige Kapitalflucht zu stoppen?

Mehr als 6000 Teilnehmer und Delegationen aus 17 Ländern sind gekommen. Die Forumsteilnehmer flanieren durch die Palmen-Alleen zwischen den Pavillons auf dem Ausstellungsgelände, lecken Eis oder strecken sich nach handsignierten Fußbällen, die Spieler der russischen Nationalmannschaft in die Menge schießen. Die Sonne ist da.

Doch trotzdem: Der "Börsen-Tsunami" ist das unumgängliche Thema der Auftaktdiskussion. Zutritt hat nur ein ausgewähltes Publikum. Regierungsvertreter. Wirtschaftsgrößen. Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird auf einer Großleinwand zugeschaltet.

"Die Frage ist nicht, warum das Kapital aus Russland flieht, denn das ist eindeutig eine Folge der internationalen Finanzmarktkrise. Die Frage ist, warum es aus Russland schneller flieht als aus anderen Märkten", eröffnet Moderator Andrej Scharonov angriffslustig die Runde.