"Zum Schutz der Elbe wird das Kraftwerk voraussichtlich im Durchschnitt an 250 Tagen im Jahr mit gedrosselter Leistung betrieben werden müssen", sagte Anja Hajduk. Sie halte den Neubau von Kohlekraftwerken "klimapolitisch nicht für den richtigen Weg". Aus rechtlichen Gründen sei Vattenfall der Bau jedoch nicht zu versagen. Die Behörde habe Vattenfall aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es wegen der EU-Naturschutz-Richtlinie Fauna-Flora-Habitat weiterhin "erhebliche Risiken" für den Bau gebe. Das schwedische Unternehmen handele auf eigenes Risiko.

Das Kraftwerk könne aller Voraussicht nach nur mit rund zwei Dritteln der beantragten Leistung laufen, kündigte Hajduk an. Bei hoher Gewässertemperatur und Sauerstoffknappheit im Sommer müssten möglicherweise beide Blöcke ganz heruntergefahren werden. Ihre Behörde habe die wasserrechtliche Erlaubnis teilweise versagt. So wollte Vattenfall 64,4 Kubikmeter Kühlwasser pro Sekunde aus der Elbe entnehmen. Zum Vergleich: Bisher sind es für die industrielle Nutzung insgesamt nur 8,5 Kubikmeter.

Vattenfall will den Bau des umstrittenen Kraftwerks nach dem Genehmigungsbescheid zügig fortsetzen. In den nächsten Tagen werde das Unternehmen eingehend prüfen, inwieweit die Bestimmungen der erteilten Genehmigung mit dem Ende 2007 mit der Stadt Hamburg geschlossenen Vertrag in Einklang stehen.

Während Vattenfall die Entscheidung begrüßte, stieß sie bei der Grünen-Basis und Umweltverbänden auf heftige Kritik. Die Senatorin kündigte an, Hamburg werde einen eigenen, klimafreundlichen Energieversorger gründen. Ob sie damit die aufgebrachte Stimmung beruhigen kann? Noch am Abend wollte Hajduk ihre Parteifreunde auf einer internen Veranstaltung informieren

Hajduks Entscheidung könnte durchaus eine Gefahr für die schwarz-grüne Koalition in Hamburg werden, spätestens am 9. Oktober bei einer Mitgliederversammlung der Grünen-Spitze. Dann haben enttäuschte Partei-Mitgliedern dort die Möglichkeit, Anträge zur Beendigung des Regierungsbündnisses einzureichen.

Die Grünen waren zur Bürgerschaftswahl im März mit dem Versprechen angetreten, den "Klimakiller" Moorburg mit einem Ausstoß von mehr als acht Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zu verhindern. Ein Verwaltungsgericht hatte im Sommer jedoch klargemacht, dass die von dem früheren CDU-Senat erteilte Baugenehmigung durch eine politische Entscheidung nicht grundsätzlich zu revidieren ist.

Vattenfall will im Süden Hamburgs von 2012 an eines der größten Kohlekraftwerke Europas betreiben. Geplant sind ein Doppelblock-Kraftwerk mit einer elektrischen Bruttoleistung von 1654 Megawatt und bis zu 650 Megawatt Fernwärmeauskopplung. Die Investitionskosten liegen bei mehr als zwei Milliarden Euro. Nach Unternehmensangaben sind bereits 300 Millionen Euro investiert und Aufträge für weitere 1,6 Milliarden Euro erteilt.