Manchmal geht es in der Politik wahnsinnig schnell. Gestern Nachmittag noch dachte Erwin Huber wohl, dass er seinen Rücktritt als CSU-Chef mindestens um einen Monat hinauszögern könnte, bis zum Sonderparteitag, ja, dass er vielleicht sogar im Amt bleiben könne – trotz des politischen Erdbebens, das Bayern und seine Partei am Sonntag ereilt hat. "Der Erwin will kämpfen", raunten da noch seine Büchsenspanner im Vorhof der Münchner Parteizentrale.

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Den meisten CSU-Anhängern und Beobachtern war aber schon nach dem ersten Krisentreffen des Parteivorstands am Montagvormittag klar, dass Huber sich nicht würde halten können. Mit etwas Glück und Geschick würde er womöglich noch seinen Abgang moderieren und ein paar personelle und inhaltliche Weichen stellen können – und ganz eventuell den Mann verhindern, den er partout nicht als Nachfolger haben wollte: seinen alten Rivalen Horst Seehofer, gegen den er vor einem Jahr noch in einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz gewonnen hatte.

Keinen Tag später aber nun das: ein unrühmliches Aus nach nur 13 Monaten. Noch in der Nacht wurde Huber von den übrigen Parteigranden regelrecht hinweggeputscht. Sie machten ihm unmissverständlich klar, dass sie ihn keinen Tag länger als Vorsitzenden dulden wollten.

Als Huber dann wenige Stunden später um 10:00 Uhr vor die Presse tritt, hat sich die Nachricht von seinem erzwungenen Rücktritt bereits herumgesprochen. Mindestens 50 Journalisten belagern erneut die Parteizentrale im Münchner Westen.

Immerhin, Huber lächelt, das hat er seit Tagen nicht mehr getan. Gestern, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Beckstein, ließ sich an seiner verkniffenen Miene ablesen, welch gewaltiger Druck seit Sonntagabend auf ihm lastete. Er, der Parteisoldat, der frühere Generalsekretär und langjährige Funktionär, soll nun schuld sein am Untergang seiner geliebten CSU? Dieses Leiden wirkt nun wie weggefegt aus seiner Miene.