Sie sind minderjährig und ihre Straftaten reichen von Erpressung, Raub, Brandstiftung bis hin zu schwerer Körperverletzung. Die politische Debatte, ob man kriminelle Jugendliche unter 14 Jahren einsperren soll oder nicht, wird in Deutschland regelmäßig geführt.

In Hamburg ist eine Entscheidung gefallen. Das geschlossene Heim in der Feuerbergstraße wird Anfang 2009, nach sechs Jahren, seine Tore wieder schließen. Die fünf straffälligen Jungen, die hier noch leben, warten auf einen neuen Platz. 

Die Hansestadt ist damit ihren Schandfleck los. Die Liste der Missstände aus der Feuerbergstraße ist nämlich lang. Zwei Untersuchungsausschüsse brachten laufend neue Skandale ans Licht: Den Jugendlichen seien Psychopharmaka verabreicht worden. Aids-Tests wurden ohne Einverständnis gemacht, und es gab kaum einen Monat ohne Fluchtversuche.

40 Mitarbeiter kamen und gingen. Einige hatten danach posttraumatische Störungen. Gewalttätige Übergriffe auf die Pädagogen gehörten zur Tagesordnung.

Der schwarz-grüne Koalitionsvertrag sieht nun vor, delinquente Jugendliche aus Hamburg künftig in andere Bundesländer abzuschieben. Eine gängige Praxis und elegante Lösung vor allem für die Länder, die geschlossene Heime ablehnen. "Der Bedarf ist in Hamburg gering. Wir suchen nach Alternativen im ganzen Bundesgebiet", sagt Jasmin Eisenhut, Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde. Etwa 20 geschlossene Einrichtungen gibt es in Deutschland.

Der Kriminologe Arthur Kreuzer sieht in solchen Einrichtungen keinen großen Unterschied zum Strafvollzug. "Die jungen Leute über Monate einzusperren ändert nicht ihr Verhalten. Sie brauchen Betreuer, die mit ihnen leben und arbeiten." Kreuzer schätzt, dass es in Deutschland cirka 100 delinquente Intensivtäter unter 14 Jahren gibt, die ohne Zweifel kontrolliert werden müssen.