Wenn es neben dem Absturz der CSU ein wirklich bemerkenswertes Ergebnis der Landtagswahl in Bayern gibt, dann ist es der enorme Zugewinn der kleinen Parteien. Der neue politische Trend heißt klein statt groß, er hat in Bayern voll durchgeschlagen. 6,2 Prozentpunkte legten die Freien Wähler zu, 5,4 die FDP und 1,7 die Grünen. Die Linke scheiterte zwar an der Fünfprozenthürde, erzielte bei ihrer ersten Kandidatur im Kernland des Konservatismus aber mit 4,3 Prozent immerhin einen Achtungserfolg.

Damit holten die kleinen Parteien zusammen mehr als ein Drittel aller Stimmen. Sie haben ihr Ergebnis im Vergleich zur vorangegangenen Wahl mehr als verdoppelt und so erheblich an politischem Einfluss gewonnen.

Das schwarze Bayern ist über Nacht bunt geworden, bunter als alle anderen Bundesländer. Denn in keinem anderen westdeutschen Bundesland vereinen die kleinen Parteien derzeit mehr Prozente auf sich. (Im Osten sieht es anders aus, weil die Linke dort eine Volkspartei ist.)

Die Kleinen kosteten ihren Erfolg am Montag, jeder für sich, mit großer Selbstzufriedenheit aus. FDP-Chef Guido Westerwelle sprach von einem "tollen Ergebnis", das eine bürgerliche Mehrheit im Bund nach der nächsten Bundestagswahl "einen großen Schritt" näher gebracht habe. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth warb für eine Rebenbogenkoalition in Bayern mit SPD, FDP und den Freien, die die CSU in die Opposition schickt. Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, wiederum zeigte sich in beide Richtungen für eine Regierungsbildung offen und formulierte an CSU und SPD sogleich selbstbewusst Bedingungen für eine landespolitische Zusammenarbeit.

Der Erfolg der Kleinen ist – abgesehen von den bayerischen Besonderheiten – eine unmittelbare Folge der Krise der Volksparteien. Deren Bindungskraft zerbröselt, ihre traditionellen Milieus lösen sich auf. Das schafft Platz für einen ganzen Reigen politischer Gruppierungen von links bis rechts.

Gleichzeitig verhalten sich die Union und SPD, seit sie im Bund zusammen in der Großen Koalition regieren, nicht mehr wie kommunizierende Röhren. Sie können sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Verluste der einen zumindest teilweise von der anderen Volkspartei ausgeglichen werden. Zu groß ist die Unzufriedenheit vieler Wähler mit der Arbeit der Bundesregierung insgesamt. Im Ergebnis schrumpfen beide.

Bayern zeigt, dass das politische System der Bundesrepublik seine traditionelle Balance verloren hat. Die Zersplitterung des Parteiensystems setzt sich fort. Und nur auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten sich die Lagergrenzen nicht verschoben und als habe sich das bürgerliche Lager behauptet.