Christian Kracht ist der rätselhafteste unter den jüngeren deutschen Schriftstellern. Über seine Anfänge als dandyhafter Held der deutschen Popliteratur ist er längst hinausgewachsen – und über die begleitenden Exzesse auch. "Vor einem Jahr habe ich aufgehört zu trinken", sagt er im Gespräch mit dem ZEITmagazin. "Hätte ich so weitergemacht, wäre ich in drei Jahren tot gewesen."

In diesen Tagen erscheint sein neuer Roman mit dem auf beunruhigende Weise beruhigenden, an eine Liedzeile erinnernden Titel "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten". Das 20. Jahrhundert ist im Roman etwas anders verlaufen, als es gewöhnlich berichtet wird: Lenin blieb 1919 im Schweizer Exil und machte dort seine Revolution. Seither herrscht ein fast hundertjähriger Krieg – die Sowjetschweiz samt ihren afrikanischen Kolonien gegen andere Mächte. Der Held des Romans, ein afroschweizerischer Politkommissar, hat den Auftrag, einen Verräter zu töten, dringt dazu ins Innere der gigantischen Alpenfestung und erlebt dieses dunkle Herz der Revolution als Delirium, dem er schließlich entflieht.

Es ist Christian Krachts klassischster und zugleich spannendster Roman bisher, geschrieben in einer schönen, klaren, poetischen Sprache. Er selbst sagt: "Ich schreibe immer moralische Bücher. Komisch, dass das keiner merkt."

Aber Kracht wäre nicht Kracht, wäre beim Schreiben alles mit rechten Dingen zugegangen. "Polizisten in Paraguay haben mich vergiftet", erzählt er und berichtet von einem nächtlichen Raubüberfall in einer Bar dort, von Rohypnol im Bier und dem Verlust seines Laptops mit etlichen fertigen Romankapiteln: "Ich musste alles neu schreiben."

Über dieses und andere Abenteuer unterhalten sich Christian Kracht und Wolfgang Büscher an einem sonnigen Septembertag am Zürichsee. Nachzulesen im Zeitmagazin Nr. 41, das am Mittwoch der ZEIT beiliegt.