Panik an Asiens Börsen: Zur Handelsmitte notierte der Tokioter Leitindex Nikkei 4,6 Prozent unter dem Niveau des Vortags, auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Zum Handelsschluss lag er immer noch mehr als vier Prozent im Minus. In Südkorea eröffnete die Börse mit einem Minus von 5,5 Prozent. Der Seoul-Composite-Index schloss mit Verlusten in Höhe von rund 8 Prozent.

Auch an den wichtigsten Börsen Lateinamerikas verursachte die Krise schwere Verluste. Am schlimmsten erwischte es den größten Aktienmarkt des Subkontinents im brasilianischen São Paulo. Dort herrschte vorübergehend Panik, als der Bovespa-Index im Tagesverlauf rund 12 Prozent verlor. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt gab um 6,4 Prozent nach, die Börse in Buenos Aires 8,7 Prozent.

Der Dax in Frankfurt dürfte ebenfalls einen schlechten Start in den Tag haben. Die Aktienmärkte folgen damit dem Dow-Jones-Index, der am Vortag in New York den größten Tagesverlust aller Zeiten verbuchte. Zuvor hatte das US-amerikanische Repräsentantenhaus den Rettungsplan der Regierung für die angeschlagene Finanzbranche abgelehnt.

Der Nikkei-Index stürzte gleich in der ersten halben Stunde um 500 Punkte ab. Im Laufe des Handels erholten sich die Kurse zwar leicht, die Verluste von Finanz- und Technologiewerten lasteten dennoch schwer auf dem Markt. Der Topix-Index, der mehr Unternehmen umfasst, sank bis Handelsschluss um mehr als drei Prozent.

Die Händler haben nach dem Streit um das Rettungspaket in den USA das Vertrauen in die amerikanische Finanzpolitik verloren, verwiesen aber auch auf neue Ereignisse in Europa, wo mehrere Banken staatlich gestützt werden mussten. "Es ist schwer vorstellbar, was geschehen wird. Das ist beängstigend", sagte ein japanischer Aktienhändler. "Ganz besonders, dass die europäischen Banken lange so getan haben, als ob alles in Ordnung wäre, und nun fallen sie eine nach der anderen auseinander."

Auch der neue japanische Ministerpräsident Taro Aso äußerte sich besorgt: "Wir müssen uns bedacht auf die Situation einstellen und verhindern, dass solche Entwicklungen auf die japanische Wirtschaft übergreifen", sagte Aso am Dienstag in Tokio.

Angesichts der dramatischen Lage auf den Finanzmärkten hat die japanische Zentralbank in der dritten Woche in Folge weitere zwei Billionen Yen (13 Milliarden Euro) für kurzfristige Kredite zur Verfügung gestellt, um angesichts der Folgen der Krise in den USA für Stabilität zu sorgen. Hintergrund ist, dass Japans Banken zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen.