Die Wassermelone kommt aus dem All. Wie Darth Vaders Raumschiff saust sie vorüber. Vier Teenager fliegen durch den Orbit, aus ihren Mündern quellen rosafarbene Blasen. Rockende Discomusik begleitet sie. "Bubblicious!", schreit der Sänger. Dann explodiert der Weltraum. So sah Fernsehwerbung für Kaugummi in den siebziger Jahren aus. An den Geschmack des Gummis erinnert sich niemand mehr, aber die Musik ist noch heute unwiderstehlich.

Das Genre hat viele Namen: Library Music, Source Music, Mood Music oder Production Music. Die wohl schönste Bezeichnung stammt aber aus dem Französischen: Musique d’Illustration. Im Hintergrund soll der Klang die notwendige Atmosphäre schaffen und das Produkt emotional verstärken. Der Ton ist Mittel zum Zweck, verbindet sich mit anderen zur Gebrauchsmusik.

In den sechziger und siebziger Jahren war der Bedarf an Gebrauchsmusik groß. Viele Radiostationen, Fernsehsender und Werbeagenturen ließen sie am Fließband produzieren, um ein ständiges Archiv assoziativer Klängen für ihre Produktionen verfügbar zu haben.

Ob Dokumentationen über Korallenriffe, Werbespots für Weingummi oder wissenschaftliche Lehrfilme – sie alle mussten mit Musik unterlegt werden. Also schickte man Mitarbeiter in die hauseigene Musikbücherei, um den passenden Soundtrack herauszusuchen. Tausende von Musikstücken waren dort nach Stimmungen wie wohlig, futuristisch oder seltsam geordnet.

Kleine Plattenfirmen aus Amerika und Europa konzentrierten sich ausschließlich auf die Belieferung der Medienindustrie mit Library Music. Die professionellen Studiomusiker blieben zumeist unbekannt. Urheberrechte spielten selten eine Rolle, schließlich gehörte die Musik der Plattenfirma und konnte so ohne Umwege lizenziert werden.