Die Nasa war ein äußerst frühreifes Kind, denn schon als Zehnjährige erlebte sie den Höhepunkt ihres Lebens: Nach anfänglichen Startschwierigkeiten brachte sie im Juli 1969 die ersten drei Menschen heil zum Mond – und wieder zurück. Damit hatte die US-amerikanische Weltraumorganisation den Wettlauf ins All gegen die Sowjetunion gewonnen, sie verfügte über die zuverlässigsten und leistungsfähigsten Raketen und schickte Satelliten bis an die Grenze unseres Sonnensystems.  

Doch so schnell das Kind herangereift war, so schnell begann es auch zu altern. Spätestens im zarten Alter von 14 Jahren, als Eugene Andrew Cernan im Dezember 1972 als vorerst letzter Mensch den Mond verließ, ließ die Nasa ihre besten Jahre hinter sich. Der von John F. Kennedy für die Mondfahrt bereitgestellte Milliardenetat wurde in kurzer Zeit von über fünf auf weniger als ein Prozent des US-Haushalts zusammengestrichen. Und der Space Shuttle, der die Raumfahrt eigentlich billiger und kommerziell interessant machen sollte, erwies sich als Dollargrab.

Bis heute sind die Shuttles der mit großem Abstand teuerste Zugang zum All - und schon früh wurden sie zu einem Trauma, das die Nasa bis heute verfolgt. Während die Sowjets mit dem Aufbau ihrer Raumstation MIR wieder die Führung in der bemannten Raumfahrt übernahmen, explodierte der Raumgleiter Challenger 1986 kurz nach dem Start vor den Augen der amerikanischen Fernsehzuschauer. Alle sieben Besatzungsmitglieder starben. Die anschließende Untersuchung brachte eine umfangreiche Liste von Pannen und Versäumnissen ans Licht, die vor allem von übergroßer Selbstgewissheit der erst 30 Jahre jungen Nasa zeugten.

Zweieinhalb Jahre später nahmen die verbliebenen Raumgleiter ihren Flugbetrieb zwar wieder auf, doch der Nasa fehlte ein Ziel, mit dem sich das Risiko hätte rechtfertigen lassen. Eine bemannte Mission zum Mars erwies sich als unbezahlbar, der Aufbau einer eigenen Raumstation erschien angesichts der sowjetischen Überlegenheit in diesem Bereich wenig verlockend. Auftrieb bekam die Idee erst mit dem Fall der Mauer. Mit der amerikanisch-russischen Kooperation auf der MIR und der Entscheidung für die Internationale Raumstation ISS wollte Ronald Reagan vor allem die russischen Raumfahrtexperten einbinden und verhindern, dass sie ihre Kenntnisse nach China, Nordkorea oder Iran verkaufen.

Als ausführende Behörde der US-Regierung bekam die Nasa die undankbare Aufgabe, das 100 Milliarden teure und wissenschaftlich weitgehend nutzlose Großprojekt publikumswirksam zu verkaufen. Eine Zeit lang schien sie sogar selbst daran zu glauben. Doch spätestens der derzeitige Nasa-Chef Michael Griffin wäre lieber heute als morgen aus der ISS wieder ausgestiegen. Denn die Raumstation bindet einen Großteil seiner Mittel – und verplant praktisch alle Shuttle-Starts, die bis zur Ausmusterung der letzten drei Raumgleiter noch möglich sind.

Geplant ist die Pensionierung der Shuttles für das Jahr 2010. Im rüstigen Alter von 52 Jahren wird die Nasa dann ganz ohne Astronauten-Vehikel dastehen – und zusehen müssen, wie sich andere frühreife Kinder im All austoben. Schon nach ihrem dritten Start haben Chinas Taikonauten zum Beispiel gerade den ersten Weltraumspaziergang unternommen, ab 2010 wollen sie eine eigene Raumstation aufbauen. Und das mit einem Etat, der nur wenige Prozent des Nasa-Budgets beträgt. Unbemannte Mondsonden haben darin auch noch Platz, die erste ist bereits auf Umlaufbahn.

Ähnlich effektiv betreibt Indien sein Raumfahrtprogramm, noch in diesem Oktober startet die erste Mondsonde. Japan wartet auf die für 2010 geplante Rückkehr seines Satelliten, der vor drei Jahren sanft auf einem Asteroiden gelandet ist und Bodenproben genommen hat. Und PayPal-Gründer Elon Musk hat seine mit privatem Geld entwickelte Rakete gerade zum ersten Mal erfolgreich auf eine Erdumlaufbahn gebracht – angeblich für ein Zehntel der branchenüblichen Startkosten.

Selbst die Europäische Raumfahrtagentur Esa hat nur ein Sechstel des Nasa-Etats zur Verfügung, schickt aber halb so viele Forschungssatelliten ins All. Die Nasa nutzt den frischen Wind in der europäischen Raumfahrt: Für die beiden teuersten Projekte – das Weltraumteleskop Hubble und die Cassini-Huygens-Mission zum Saturn und seinem Mond Titan – kooperierte sie mit der Esa und sorgte für die spektakulärsten Ergebnisse der Raumfahrt nach der Mondlandung.

Einfach ist diese Frischzellenkur indes nicht. Scharfe Exportkontrollen machen sie gegen den Willen der beteiligten Wissenschaftler bisher zu einem nervenaufreibend zähen Geschäft. Ob sich das ändern könnte? "Raumfahrt muss eine globale Anstrengung unter voller Einbeziehung unserer internationalen Partner sein", heißt es im Wahlprogramm von Barack Obama. Das könnte nach einer Perspektiv für den alten Onkel Nasa klingen – wenn da nicht jener arrogante Nachsatz wäre, der so typisch ist für die USA: "mit Amerika in der Führungsrolle". Einem trägen Riesen, der die Verjüngung bitter nötig hat, stünde etwas Demut dann doch besser zu Gesicht.