Die rechtspopulistische Wählerschaft in Österreich jubelt, ihre beiden Parteiführer, Heinz-Christian Strache und Jörg Haider, sitzen mit stolzgeschwellter Brust in den Fernsehstudios. Es ist ihr Tag, ihr Stimmanteil ist auf ein knappes Drittel angewachsen – sie stehen kurz davor, die stärkste Wählergruppe zu repräsentieren.

Und dennoch, so richtig können sie sich über den nur in seinem Ausmaß überraschenden Erfolg nicht freuen. Denn was sollen sie mit diesem Sieg im politischen Alltag anfangen, wie die errungene Stärke in konkrete Teilhabe an Regierung und Staat umsetzen? Noch sind sie zerstritten. Noch sind sie nicht stark genug, um tatsächlich den Anspruch auf höchste Ämter erheben zu können.

Vorläufig taugen sie nur dazu, der einen oder der anderen der beiden Regierungsparteien als Steigbügelhalter zu dienen. Oder sich als Mehrheitsbeschaffer missbrauchen zu lassen, wie das die meisten Funktionäre sehen. Dieser Wahlsieg ist für sie erst der Vorgeschmack auf noch viel größere Triumphe. Das verleiht Zuversicht, aber es trübt auch die Freude ein wenig.

Den Montag nach einem Wahlsonntag machen die Rechten in Österreich traditionell blau. Zeit zum Ausnüchtern. Zeit auch, um den Triumph zu verdauen und den Fehler zu vermeiden, den sie schon einmal vor neun Jahren begingen, nämlich sich dazu verleiten zu lassen, vorschnell, zu willig und zu billig einem Regierungsbündnis mit einer der "Systemparteien", wie sie das damals nannten, beizutreten. Diesmal werden sie wohl zu der Einsicht gelangen: Die Zeit spielt für sie.

Sozialdemokraten und Konservative, die beide mächtig Federn lassen mussten, sind ohnehin fast ausschließlich damit beschäftigt, einander gegenseitig zu zerfleischen. In ihrer Vorstellungswelt dienen die beiden Rechtsparteien lediglich als Spielmaterial ihrer Intrigen, als wären Strache und Haider bloß zwei hässliche Fratzen, mit denen man den jeweils anderen zu erschrecken vermag. Dieser begrenzte Horizont wird die zwei einst staatstragenden Parteien wohl erneut in eine Koalition der Verlierer zusammenführen, die nun, da ihre frühere Zweidrittelmehrheit verspielt ist, immerhin noch über eine eher knappe Mehrheit im Parlament verfügen.

Sie werden sich diesen Verzweiflungspakt zu einer staatspolitischen Notwendigkeit schönreden und fast zwangsläufig in ihr altes Spiel verfallen, weil sie inhaltlich ausgeblutet, strukturell einsturzgefährdet und lediglich Partikularinteressen verpflichtet sind, die erbittert um die Verteilung der finanziellen Ressourcen des Staates wetteifern. Diese Phase werden die Rechten zu nutzen wissen müssen, um ihr eigenes Haus zu bestellen und die rivalisierenden Fraktionen wieder zusammenzuführen.