Der gebürtige Tscheche Pavel Hak ist einer der streitbarsten Figuren der französischen Literaturlandschaft. Seine Romane "Safari" und "Sniper" gelten als ebenso gewaltverherrlichend wie schonungslos realistisch. Für sein jüngstes Werk "Trans" hat er den Literaturpreis der französischen Post erhalten. Der Roman schildert die düstere Odyssee des chinesischen Flüchtlings Wu Tse, der als illegaler Migrant von Asien über Afrika nach Europa gelangt. Als Schauplätze dienen die Hinterhöfe chinesischer Megastädte und eine humanmedizinische Versuchsstation in Afrika. In deutscher Übersetzung liegt "Trans" nun beim Berliner Diaphanes Verlag vor, der bislang vor allem auf französische Philosophie spezialisiert war.

ZEIT ONLINE: Herr Hak. Lassen Sie uns ein wenig über Ihren Roman Trans sprechen.

Pavel Hak: Sehr gerne. Eigentlich besteht die literarische Arbeit aus dem Schreiben, aber heute ist es wichtig, Literatur auf Plattformen zu bringen, die nicht die Literatur selbst sind. Das Fernsehen, die Zeitungen, das Radio. Ich mache da mit, obwohl meine Auffassung der Literatur sehr klassisch ist.

ZEIT ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Hak: Es geht mir wirklich um die Lektüre und das Schreiben eines Textes. Das ist ein bisschen altmodisch, eine Idee von Literatur, wie es sie früher vielleicht einmal gab. Ich habe zum Beispiel gerade Kleist gelesen. Michael Kohlhaas, ich liebe dieses Buch. Man findet da eine extreme Modernität und Textökonomie, ein starkes, politisches Anliegen. Das ist wirklich exzellent. Das ist Literatur, schau an! Heute gibt es stattdessen Autoren, die nicht besonders gut schreiben, aber dafür sehr präsent in den Medien sind. Das hat nichts mit literarischer Arbeit zu tun. Heute zählt die mediale Performance.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Roman schildern Sie die Irrfahrt einiger illegaler Migranten. Weshalb interessiert Sie das Thema?