Wie jede Krise besteht auch diese mindestens zur Hälfte aus Psychologie, Panik und Hysterie. Am Montagvormittag in Washington wogen diese Emotionen noch schwerer als zuvor. Das Repräsentantenhaus stimmte zwar knapp, aber doch deutlich mit 228 gegen 205 Stimmen gegen den Rettungsplan der Regierung Bush. Und schon fiel der Dow Jones an der New Yorker Börse um 777 Punkte. Es war der heftigste Absturz seiner Geschichte.

Damit dürfte genau das passieren, was der Präsident um jeden Preis vermeiden wollte - dass die "Krise in unserem Finanzsystem auf die ganze Wirtschaft durchschlägt".

Kern des "Bail-Out" waren eine Kreditlinie von 700 Milliarden Dollar für das Finanzministerium und die Erlaubnis, damit "giftige" Hypotheken und Wertpapiere aufzukaufen, die dem Markt das Vertrauen geraubt haben. Schon vor der Ablehnung der Gesetzesvorlage war es Banken rings um die Welt praktisch unmöglich geworden, von anderen kurzfristige Gelder zu borgen. Über Nacht ja. Doch schon Tagesgelder schienen den Instituten zu riskant.

Die Gesetzesvorlage sah vor, dass das Finanzministerium 250 Milliarden sofort und bald danach noch einmal 100 ausgeben könne. Die restlichen 350 Milliarden hätten erst benutzt werden können, nachdem der Präsident einen detaillierten Plan vorgelegt hätte. Vorbei, vorbei.

Warum? In den Marathon-Verhandlungen seit vergangener Woche hatte sich so etwas wie eine Zwei-Parteien-Koalition gegen das Weiße Haus im Kongress etabliert. Die Linke wollte die "Fat Cats", die Großkapitalisten, nicht retten - nach der Devise: Erst habt ihr abgesahnt, und jetzt soll der Staat euch für euren Wahnsinn auch noch belohnen. Rechts, bei den Republikanern, grassierte die (gerechtfertigte) Furcht vor einer neuen Mammut-Bürokratie, die a) zu viel Macht und b) sozusagen das Finanzsystem nationalisiert hätte.