Noch ist kein Ende des Finanzchaos in Sicht. Dabei sah es Donnerstagnachmittag in Washington zunächst ganz rosig aus: Politiker beider Parteien hatten bereits freudig eine "Basis-Übereinkunft" über das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket der Regierung verkündet, als eine Besprechung der Kongressführer mit Barack Obama, John McCain und George Bush im Weißen Haus plötzlich tiefe Gräben zwischen den Parteien aufwarf. Nun ist der Traum von einer schnellen Lösung geplatzt, und der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain muss die Last tragen, die er sich selber aufgebürdet hat: Er wolle den Wahlkampf aussetzen, bis das Rettungspaket unter Dach und Fach sei, verkündete er noch am Mittwoch medienwirksam.

Es ist seine Partei, die Widerstand gegen das Paket leistet und ihn damit in die Bredouille bringt. Finanzminister Henry Paulson habe einen "schlechten Plan" vorgelegt, der mehr Probleme schaffe als löse, so Richard Shelby, der ranghöchste Republikaner im Bankenausschuss des Senats. Eine Gruppe konservativer Abgeordneter unter Führung von Eric Cantor legte sogar einen Gegenentwurf zum Regierungsplan vor.

McCain, der selbst erklärte Steuermann der nationalen Krise, kämpft nun an mehreren Fronten gleichzeitig. Seine republikanischen Kollegen sind offensichtlich nur schwer von kostspieligen Regierungseingriffen in die Wirtschaft zu überzeugen - nicht zuletzt, weil viele von ihnen selbst im November zur Wiederwahl stehen. Wie CNN berichtet werden ihre Büros derzeit mit Anrufen von erbosten Parteigängern überflutet.

Gelingt es McCain nicht, die Abtrünnigen auf seine Linie einzuschwören, oder unterstützt er sogar ihren Alternativplan, könnte er für die Verzögerung der Verhandlungen verantwortlich gemacht werden. Sein Motto "Country first" wäre damit nicht mehr glaubwürdig. Außerdem könnte die Kehrtwende des ehemals überzeugten Deregulierers konservative Republikaner in die Arme der libertären Partei treiben. Sein wochenlanges Ringen um eine größtmögliche Distanz zu Präsident Bush wird nun umso komplizierter.

Barack Obama hat es da leichter. Seine bisherige Zurückhaltung scheint sich angesichts der vertrackten Situation auszuzahlen. Er sprang zwar auf den von McCain in Bewegung gesetzten Zug auf. Schließlich hätte es ein denkbar schlechtes Bild abgegeben, wenn nur einer der Kandidaten zur Krisensitzung nach Washington gereist wäre. Aber da demokratische Wähler generell eher Verständnis für den kostspieligen Eingriff der Regierung haben, unterstützt seine Partei das Rettungspaket fast geschlossen - auch wenn Obamas jüngstes Nachgeben im Ringen um ursprünglich geforderte breite Wirtschafts-Stimulierungen sowie Änderungen in der Insolvenz-Gesetzgebung nicht nur Beifall fand.