ZEIT ONLINE: Herr Schäuble, bei den Olympischen Spielen in Peking gab es dreizehn Dopingfälle. Es wurden weniger Athleten überführt als bei früheren Spielen. Das heißt aber nicht, dass weniger gedopt wurde, da die Methoden immer ausgefeilter werden. Ist der Kampf gegen systematisches Doping im Profisport noch zu gewinnen?

Schäuble: Die Spiele in Peking bestätigen mir, dass wir in der internationalen Doping-Bekämpfung vorangekommen und nicht zurückgefallen sind. Sicher kann man argumentieren, dass es neue Methoden des Dopings gäbe, die wir jetzt noch nicht entdecken könnten. Aber was wir nicht wissen, können wir nicht behaupten. Immerhin können wir die Proben jetzt acht Jahre aufbewahren. Wer jetzt dopt, muss damit rechnen, dass sein Triumph in ein paar Jahren von Schande ereilt wird. Das wird hoffentlich auch diejenigen abschrecken, die nicht ohnehin vom sauberen Sport überzeugt sind.

ZEIT ONLINE: Das klingt jetzt sehr optimistisch. Aber es stimmt doch, dass Sie wegen des Dopings keine Tour de France mehr schauen?

Schäuble: Die interessiert mich überhaupt nicht mehr.

ZEIT ONLINE: Waren Sie nicht einmal ein Radsport-Fan? Außerdem sind Sie unser Sportminister.

Schäuble: Als Sportminister habe ich mit dem professionellen Radsport nichts zu tun, den fördern wir nicht. Die verdienen so auch genügend. Und jetzt sage ich Ihnen etwas als Mensch: Wir sind so oft angelogen worden: Das hat mich schwer enttäuscht! Ich könnte Ihnen noch erzählen von Federico Bahamontes aus Spanien und Charlie Gaul aus Luxemburg und, und, und ... Aber nun sind wir immer und immer wieder angelogen worden. Inzwischen habe ich eingesehen, das es wahr ist: Alle dopen! Vermutlich hatte Jan Ulrich, als er gesagt hat "Ich habe niemanden betrogen" subjektiv recht. Er hatte ja nur gesagt, er habe das gemacht, was alle gemacht und gewusst haben. Infolgedessen habe ich kein Interesse mehr. Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, wer in diesem Jahr die Tour gewonnen hat.