ZEIT ONLINE: Stéphanie - oder Sweety, wie Ihr Künstlername lautet - sind Sie in Paris ein Star?

Stéphanie Jumeau: In der Szene kennt man uns. Einmal saß ich in der Metro und wurde von einer Gruppe Jugendlicher angesprochen, die mich erkannt hatte. Sie wollten unbedingt ein Foto mit mir machen – das war schon etwas komisch.

ZEIT ONLINE: Sie tanzen danse électro, der in Deutschland langsam als Tecktonik bekannt wird. Was genau ist Tecktonik?

Jumeau: Ein Tanz, ein Stil, eine Kultur – Tecktonik ist alles. Wir tanzen eine Mischung aus allen möglichen Tänzen. Es ist schnell und ausgefallen, die Arme spielen dabei die Hauptrolle. Wir haben zwar Grundbewegungen, aber im Prinzip kann man machen, was man will. So prägt jeder von uns den Tanz auf seine Art.

ZEIT ONLINE:
Nicht nur die Bewegungen stechen ins Auge – auch bei Ihrer Kleidung scheint alles erlaubt zu sein.

Jumeau: Stimmt, unser Stil ist einfach flashy. Farben sind sehr wichtig, wir kleiden uns experimentell und extrovertiert. Wir wollen auffallen und uns von der Masse abheben. Auch da ist jeder frei, es gibt keinen Dresscode. Wir sind ein bisschen Achtziger und ein bisschen Punk, aber vor allem bunt. Ich liebe rosa!

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie Tecktonik kennengelernt?

Jumeau: Ich war mit einer Freundin im Vinyl, einem Pariser Club, und dort haben Leute den danse électro getanzt. Allerdings habe ich Tecktonik am Anfang gehasst.

ZEIT ONLINE:
Das glaubt man kaum, wenn man Sie heute tanzen sieht.

Jumeau:
Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber es ist wahr. Ich mochte die Musik überhaupt nicht, ich stehe eigentlich eher auf HipHop. Am Anfang kam ich mit diesen harten, schnellen Beats nicht klar. Doch die Bewegungen haben mich gereizt. Also habe ich es ausprobiert. Und mittlerweile tanze ich, sooft es geht.

ZEIT ONLINE:
Und das sehr erfolgreich. Sie tanzen erst seit einem halben Jahr Tecktonik und verdienen bereits Ihr Geld damit. Wie geht das? 

Jumeau:
Ich habe hart trainiert. So viel wie möglich. Quasi jeden Tag bin ich nach der Uni erst mal in eine Sporthalle zum Tanzen. So habe ich meinen eigenen Stil entwickelt. Bei einem Wettbewerb hat Treaxy vom Team Eklésiast mich dann entdeckt und in seine Tanzgruppe geholt.

ZEIT ONLINE: Eklésiast ist das offizielle Tecktonikteam. Sie gehen mittlerweile auf Europatournee. Haben Sie eine professionelle Tanzausbildung gemacht?

Jumeau:
Nein, nie. Aber zum Spaß habe ich schon alles Mögliche getanzt: Modern Danse, Ballett, HipHop, zeitgenössischen Tanz, New Style. Und jetzt eben Tecktonik.

ZEIT ONLINE: Wie geht es für Sie weiter?

Jumeau: Tecktonik wird wachsen, das bietet uns natürlich eine große Chance. Trotzdem ist es nie ein Fehler, einen Ersatzplan im Hinterkopf zu haben: Ich studiere seit einem Jahr Jura.

Die Fragen stellte Simone Gaul.

Was der Tecktonik-Tänzer und Eklésiast-Choreograf Fredou über den Tanz erzählt, lesen Sie hier.