Der Machtkampf ist entschieden. Zehn Tage nach der verheerenden Niederlage bei der bayerischen Landtagswahl hat die CSU-Landtagsfraktion Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer mit großer Mehrheit als neuen Ministerpräsidenten nominiert . Die alte Führung ist enthauptet; Seehofer, der schon seit einer Woche als neuer CSU-Chef feststeht, hat sich nun auch die zweite Spitzenposition gesichert.

Nach den miserablen Erfahrungen mit der Doppelspitze Huber/Beckstein wird die Macht in der CSU also wieder in eine Hand gelegt. Horst Seehofer heißt der neue starke Mann in Bayern, im Land wie in der Partei. Alle scharten sich am Ende hinter ihn.

Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung folgerichtig. Seehofer ist bei den Wählern beliebt, auch wenn er in Bayern gar nicht zur Wahl stand; er ist talkshowtauglich und bierzelterprobt, er versteht sich aufs Strippenziehen und beherrscht die PR in eigener Sache. Er bewegt sich sicher auf dem Berliner Parkett, gilt als durchsetzungsstark und ist fest an der Parteibasis verankert. Kurz: Er vereint all das, was bei seinen Vorgängern Erwin Huber und Günther Beckstein schmerzlich vermisst wurde.

Die innerparteilichen Konkurrenten, die sich im Anfangschaos gegen ihn in Position gebracht hatten, wirkten im Vergleich mit dem mit allen Wassern gewaschenen Politprofi blass und unbeholfen. Sie hatten daher keine Chance.

Mit der Kür des 59-Jährigen für das Doppelamt verbindet die CSU die Hoffnung, dass der Absturz bei der Wahl und der Verlust der absoluten Mehrheit ein Ausrutscher bleibt. Seehofer soll die christsoziale Herrlichkeit in Bayern zurückbringen.