Laut einem Bericht des Magazins Focus fürchtet Stoiber, dass die CSU bei einer niedrigen Wahlbeteiligung an der bundesweiten Fünf-Prozent-Hürde scheitern und den Einzug ins Europaparlament verpassen könnte. Vertrauten habe Stoiber gesagt, er könne als prominentes Zugpferd für die CSU die meisten Stimmen ziehen und ihr so ein weiteres Wahldebakel ersparen.

Gegen eine Rückkehr Stoibers auf die politische Bühne gibt es allerdings erhebliche Widerstände in der CSU. Viele machen ihn für die schwere Wahlniederlage am vergangen Sonntag mit verantwortlich und wollen die mit ihm verbundene Ära endgültig abschließen. Stoiber indes scheint politisch wieder sehr aktiv zu sein. Er soll aus dem Hintergrund erheblich an der Ablösung von Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein mitgewirkt haben, die ihn vor einem Jahr aus dem Doppelamt gedrängt hatten.

Unterdessen könnte die Wahlschlappe noch einem weiteren CSU-Spitzenpolitiker das Amt kosten. Focus berichtet, CSU-Fraktionschef Georg Schmid habe in der Fraktion offenbar keine ausreichende Unterstützung mehr. Ihm werde vor allem vorgeworfen, durch das von ihm durchgeboxte strenge Rauchverbot viele Wähler verprellt zu haben. Als Nachfolger an der Fraktionsspitze werde in führenden Parteikreisen vor allem Huber gehandelt.

Schmid hatte gestern wegen mangelnder Unterstützung bereits seine Kandidatur für die Nachfolge Becksteins zurückgezogen. Damit bleiben noch der designierte neue Parteichef und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer, Innenminister Joachim Herrmann und Wissenschaftsminister Thomas Goppel als Kandidaten im Rennen. Die Entscheidung über den künftigen  Regierungschef soll am Mittwoch in der Landtagsfraktion fallen.

An diesem Samstag berät der mächtigste Bezirksverband Oberbayern über die Nachfolge Becksteins. Dort gilt Seehofer als klarer Favorit. Er stamm selber aus Oberbayern. Dem Bezirk gehört auch Stoiber an, der den Bundesagrarminister dem Vernehmen nach unterstützt.