Religion und Politik, in den USA ist das mitunter eins. Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin ist dafür das beste Beispiel. Die Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner versteht sich als Evangelikale, als wiedergeborene Christin. Gegen diese rechtskonservative kirchliche Bewegung läuft in den USA wenig. Thomas Muthee, ihr Pastor in Wasilla, Alaska, betete für Palin, um ihr den Weg ins Gouverneursamt zu ebnen und Hexen von ihr fernzuhalten. Zur aktuellen Bankenkrise empfiehlt er: "Integre christliche Banker" sollten an Stelle der "Israeliten" die Ökonomie kontrollieren.

Palin wiederum glaubt, Gott habe Amerika den Krieg gegen den Irak befohlen. Was in Europa belächeltes Außenseitertum wäre, ist in Amerika Mainstream. Amerika nimmt Religion ernst. Sehr ernst. Wer hier politische Karriere machen will muss religiös sein. Ein Drittel aller Amerikaner glaubt, die Bibel sei wörtlich zu nehmen, samt Paradies, Schlange, Jonah und dem Wal. Aber es gibt eine tapfere Minderheit - 16 Prozent, um genau zu sein - die Atheisten sind. Für sie hat Bill Maher seinen Film gedreht: Religulous. Der Titel ist ein Wortspiel aus religious (religiös) und ridiculous " (lächerlich). Anfang November ist er auch in den deutschen Kinos zu sehen, gerade noch rechtzeitig zum Endspurt des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes.

Wer Maher nicht kennt: Er ist der Gastgeber des satirischen Talkmagazins Real Time , das auf dem amerikanischen Kabelkanal HBO läuft; vorher moderierte er Politically Incorrect auf ABC , wurde aber gefeuert, weil er sagte, es sei nicht feige, zwei Flugzeuge ins World Trade Center zu fliegen, sondern Bomben aus 10.000 Meter Höhe auf Zivilisten zu werfen. Was ihn im Fernsehen einzigartig macht, ist, dass er freien Sex und Drogen preist und sich über Religion lustig macht. Maher kommt aus einem halb katholischen, halb jüdischen Elternhaus. "Wenn ich zur Beichte ging, hatte ich einen Anwalt dabei", witzelt er im Film.

Nun spielt er des Teufels Advokat. Der Film nimmt uns mit auf eine wilde Reise durch die halbe Welt. Es beginnt in Mediggo, Israel, dem Ort, wo der Antichrist einmal landen wird. Dann geht es nach Amerika, zu einem Bibelpark, der Dinosaurier auf Noahs Arche zeigt; zu einer südamerikanischen Reinkarnation von Jesus Christus, der predigt, es gebe keine Sünde mehr, deshalb dürften seine Anhänger alles tun, was ihnen Spaß mache; zu einem früheren Schwulen, der von Gott bekehrt wurde, aber immer noch sehr schwul wirkt, und zu einem TV-Prediger, ausgestattet mit Echsenlederschuhen und Goldkettchen, der sagt, er entspräche dem Ebenbild Jesus, der in "feines Leinen" gekleidet gewesen sei. Zwischendurch filmt Maher im Vatikan. Dort trifft er tatsächlich einen Priester, der ihm bestätigt, was in der Bibel stehe, sei größtenteils Unsinn.

Der Film bietet eine bunte Mischung von unbeirrbaren Gläubigen, deren Lächeln nur mühsam eine zähnefletschende Aggressivität verbirgt, und geldgierigen Predigern, das alles garniert mit witzigen Fernsehclips. So versucht Maher vor dem Mormonentempel in Salt Lake City zu drehen, wird von aufgebrachten Mormonen verjagt, die aussehen wie Mafiosi, und erklärt uns dann deren Religion: Schwarze seien vom Teufel gestraft, könnten aber durch Sündlosigkeit zu Weißen werden - dazu zeigt er Bilder von Michael Jackson in fortgeschrittenen Variationen der kosmetischen Chirurgie.