Muss man diesen Spekulanten wirklich so viele Milliarden an Steuergeldern hinterherwerfen? Geld, mit dem man 1000 schöne und bessere Dinge tun könnte, Schulen renovieren zum Beispiel? Lassen wir doch lieber ein paar Banken sterben, damit sich das Finanzsystem selbst reinigt, und schicken die kriminellen Banker in die Wüste! Eine oft gehörte Forderung in diesen Tagen.

Es ist ein hübscher Gedanke. Nur leider, um mit Brecht zu sprechen: die Verhältnisse, sie sind nicht so. Es kracht gewaltig im Gebälk unserer Marktwirtschaft, und alle, die unter diesem Dach hausen, werden nass werden, wenn es einstürzt.

Natürlich ist die Wut berechtigt. Da haben enthemmte Banker ein wildes Spiel getrieben und viele Milliarden Euro im Spekulationssumpf versenkt. Doch der Staat hat genauso versagt, seine Aufsicht war zu lax oder nicht richtig aufgestellt, und die Mehrheit der deutschen Geldinstitute, die jetzt aus dem Dreck gezogen werden müssen, sind sogar staatlich kontrollierte. In ihren Aufsichtsgremien sitzen Politiker aller Couleur. Sie alle trifft ein Teil der Verantwortung an der gegenwärtigen Misere.

Was der Staat zuließ und die Banken trieben, war auch nicht immer schlecht. Lange haben alle profitiert von dem Spiel. Das lockere Geld der amerikanischen Konsumenten hat den deutschen Export beflügelt und hierzulande Arbeitsplätze geschaffen. Selbst in Zeiten der inneren Krise standen deutsche Ausfuhrunternehmen immer vergleichsweise gut da.

Nun könnte man zynisch sagen: Jedes Spiel kennt Sieger und Verlierer. Diesmal haben eben einige Geldinstitute verloren – na und?

Doch die Banken in Deutschland und darüber hinaus sind eng miteinander verwoben. Wenn ein Geldhaus stürzt, wie es beispielsweise der Hypo Real Estate droht, dann schwindet das Vertrauen der anderen ineinander noch schneller. Dann geben sie sich gegenseitig keine Kredite mehr, sondern horten ihr Geld, aus Angst, damit irgendwann eigene Löcher stopfen zu müssen. Dann verleihen sie vielleicht bald auch nichts mehr an Unternehmer, die Aufträge vorfinanzieren oder Maschinen kaufen müssen. Und dann steht der einfache Angestellte oder Arbeiter schnell im Regen.

Alles Unsinn, dahergeredet von marktgläubigen Liberalen? Man erinnere sich daran, was geschah, als die amerikanische Regierung vor Kurzem ein Geldinstitut an seinen eigenen Fehlern bankrott gehen ließ. Lehman Brothers starb, und danach brach die Panik erst richtig los. Heute müssen die USA 700 Milliarden Dollar zur Rettung der Finanzbranche bereithalten. Hätte eine Rettung Lehmans das verhindert? Vielleicht nicht. Befördert hat der Bankrott die Not aber sicherlich.

Deshalb müssen wir die Balken stützen, die unser Dach tragen. Abreißen und neu bauen, das geht bei alten Häusern. Doch ein ganzes Wirtschaftssystem kann man nur auf Kosten vieler einfacher Menschen umwerfen und neu konstruieren. Das allerdings wäre gegenwärtig wohl das Ungerechteste, was man tun könnte.