Im Kampf um die Rettung der Münchener Bank Hypo Real Estate liegen die Vorstellungen von Bundesregierung und Finanzbranche offenbar meilenweit auseinander. Während die Regierung unter Beteiligung der Banken eine Lösung nur für die HRE anstrebt, wird unter den Banken der Ruf nach einer landesweiten Staatsgarantie für alle Institute immer lauter. Finanzkreise rechnen mit einem harten Verhandlungspoker bis tief in die Nacht. Ziel sei es, bis Öffnung der Börsen am Montagmorgen in Asien eine Lösung zu finden.

"Die Bundesregierung sagt am heutigen Tage, dass wir nicht zulassen werden, dass die Schieflage eines Finanzinstituts zu einer Schieflage des gesamten Systems wird", erklärte Bundeskanzlerin Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag. Deshalb werde in einem Krisentreffen aller Beteiligter "mit Hochdruck daran gearbeitet, die Hypo Real Estate zu sichern". Merkel wie Finanzminister Peer Steinbrück versicherten, die Einlagen der Sparer seien sicher.  Diese  Garantie umfasse eine Summe von 568 Milliarden Euro, sagte Torsten Albig, Sprecher des Finanzministeriums,  dem Handelsblatt (Montagausgabe).

"Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit vielen anderen ziemlich entsetzt bin, dass das Management dieser Bankengruppe in den letzten Tagen ein weiteres Liquiditätsloch in ungeahnter Milliardenhöhe offengelegt hat", sagte Steinbrück. Die Risiken dürften nicht allein auf die Steuerzahler verlagert werden, beschwor der Minister die Verantwortung der Banken. Es gehe um eine "institutsspezifische Lösung" - also nicht um den von den Banken geforderten großen Wurf. Ein europäisches Hilfspaket für die Branche war auch am Widerstand Deutschlands gescheitert. Am Samstag hatten sich die wichtigsten europäischen Staatschefs verständigt, dass jedes Land seine Probleme selbst lösen müsse, aber eine enge Abstimmung nötig sei.

Den Banken ist das nicht genug. So seien die dramatischen Probleme nicht zu lösen, hieß es in Bankenkreisen. "Wir haben noch nie in einen so tiefen Abgrund geschaut", sagte ein Banker. Die Branche will den Staat zu einem Risikoschirm bewegen, weil aus ihrer Sicht nur so das verlorengegangene Vertrauen auf den Geld- und Kapitalmärkten wiederherzustellen ist. "Eine Staatsgarantie kostet erstmal kein Geld", warb der Chef der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, in der Welt am Sonntag für einen europäischen Risikoschirm. Eventuell werde der Steuerzahler sogar gar nicht belastet. Bei einer Staatsgarantie habe man "von einem auf den anderen Tag Ruhe". In Europa war Irland vorgeprescht und hatte eine Garantie von bis zu 400 Milliarden Euro für alle Bankeinlagen bis 2010 abgegeben.