ZEIT ONLINE: Das letzte Mal sprachen wir am Montag nach der Bayernwahl miteinander. Sie sagten kurz vor der entscheidenden Präsidiumssitzung, dass sie als niederbayerischer Bezirkschef für Erwin Huber kämpfen wollen. Inzwischen ist Huber Geschichte. Haben Sie nicht hart genug gekämpft?

Manfred Weber: Kurz nach dieser Desaster-Wahl war mir wichtig, zur Stabilität in der Partei beizutragen. Huber und Günther Beckstein sollten eigenständig handeln können. Beide sind zurückgetreten. Ich zolle diesen Entscheidungen hohen Respekt.

ZEIT ONLINE: Besonders kämpferisch klingt das nicht.

Weber: Wir wussten nach der Wahl, dass die Bürger einen Neuanfang wollen. Für mich war wichtig, dass nicht nur Huber, sondern beide die Verantwortung zu tragen haben.

ZEIT ONLINE: Sie sind mit 36 Jahren ein noch relativ junger Bezirkschef. Sehen Sie Ihre Partei seit der vergangenen Woche mit anderen Augen? Nach den Putschen, Rücktritten und all dem Streit?

Weber: Wir haben am Wahlsonntag ein Erdbeben erlebt. Da gerät nun einmal viel in Bewegung. Nach einer solchen Niederlage ist nichts mehr so wie es vorher war. Vieles muss dann auf den Prüfstand, inhaltlich wie personell. Wichtig ist, dass ein offener Austausch zu Stande kommt, dass das nicht im Hinterzimmer verhandelt wird.

ZEIT ONLINE: "Hinterzimmer" ist ein gutes Stichwort: In Franken beschweren sich CSU-Funktionäre, dass die Entmachtung Becksteins und Inthronisierung Seehofers alles andere als transparent gewesen sei. Vielmehr sei sie intrigant eingefädelt worden.

Weber: Bei uns in Niederbayern hat sich im Bezirksvorstand eine klare Mehrheit ergeben für eine strategische Ausrichtung mit einer Person in beiden Ämtern: Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt. In der Region Passau waren bei einer Mitgliederbefragung 97 Prozent der Mitglieder für Seehofer. Der Prozess des "In-die-Basis-Hineinhorchens" hat also durchaus stattgefunden. Das war gut und wichtig.

ZEIT ONLINE: Die Franken sagen auch, die Oberbayern entscheiden – wie eh und je – die wichtigen Personalfragen alleine. Außerdem soll Edmund Stoiber eine wichtige Rolle spielen und am Telefon die Strippen ziehen.