Kool Savas: Ich leg mich mal hin.

ZEIT ONLINE: Müde?

Savas: Gerade aufgestanden. (Anm. d. Red.: Es ist 15.30 Uhr.)

ZEIT ONLINE: Dann gleich eine Denkübung: Kennen Sie Peter Handke?

Savas: Wer ist das?

ZEIT ONLINE: Ein Schriftsteller, der hat mal ein Stück geschrieben namens Publikumsbeschimpfung. Wenn man Ihre Platte hört, fühlt man sich ein bisschen daran erinnert. Sie beschimpfen den Hörer sehr viel.

Savas: Da werden die Sachen, die einen nerven, die Typen die einen nerven, zu einer Person, zu einem Du. Das wirkt dann schnell, als beschimpfte ich den Hörer. Aber den meine ich überhaupt nicht.

ZEIT ONLINE: Was nervt Sie denn?

Savas: Natürlich alltägliche Sachen. Rap ist ein Ventil. Es macht Spaß, gegen einen Gegner zu rappen. Das ist wie Sport. Hinterher verträgt man sich wieder.

ZEIT ONLINE: Der Kampf ist die Botschaft?

Savas: Es gibt keine konkrete Botschaft. Ich habe ja nicht gesagt, ich hätte eine Mission. Zum Beispiel Vegetarismus.

ZEIT ONLINE: Sie sind aber Vegetarier.

Savas: Ja. Aber man kann sich genauso gut fragen, was die Botschaft eines Autoherstellers ist. Es ist mehr ein Lebensgefühl. An Musik kann man genauso Gefallen finden wie an schönen Klamotten. Sie kann repräsentieren, wer man ist.

ZEIT ONLINE: Wie viel Böse-Buben-Show ist dabei?

Savas: Eigentlich bin ich wirklich authentisch. Ich mache nur das, was ich fühle. Was ich sage, kann man nicht wörtlich nehmen. Das ist doch in fast jeder Musik so. Hören Sie sich mal ein Rammstein-Album an!

ZEIT ONLINE: Sind Sie ein Gangster-Rapper?

Savas: Nein! Vollkommener Mist. Ich glorifiziere diesen Gangster-Lifestyle nicht. Ich rede nie darüber, kein Knast, keine Gewalt.