ZEIT ONLINE: Gewalt kommt aber in Ihren Texten vor. Schon mal Briefe von besorgten Eltern bekommen?

Savas: Ganz früher, ja. Mittlerweile glaube ich, dass meine Texte, verglichen mit denen anderer Rapper, harmlos sind.

ZEIT ONLINE: Sie meinen Musiker wie Bushido und Sido. Sie werden oft in einem Atemzug genannt. Stört Sie das?

Savas: Ich habe prinzipiell ein Problem damit, mit anderen in einen Topf geworfen zu werden. Ich habe so ziemlich alle bekannten deutschen Rapper kennengelernt, und mit keinem würde ich mich identifizieren. Ich weiß, was ich mache und was die machen. Das ist wie Porsche im Vergleich zu Skoda. Ich mache zwar nicht am meisten Geld, aber ich versuche, der Beste zu sein.

ZEIT ONLINE: Sind Sie ein Vorbild?

Savas: Für ein paar Kids auf jeden Fall. Das lässt sich gar nicht vermeiden.

ZEIT ONLINE: Es heißt oft, Rap sei Unterschichtmusik.

Savas: Rap behandelt gewisse Themen wie Kriminalität und Sex. Das spricht viele Leute aus schlechten Elternhäusern an.

ZEIT ONLINE: Inwieweit sind Sie ein politischer Musiker?

Savas: Null. Wenn ich politisch wäre, müsste ich viel mehr tun. Allein, wie sehr ich auf die ganzen Amerikageschichten eingehen müsste und den Kapitalismus! Die Welt basiert auf Ungerechtigkeiten. Es ist alles so unsozial, dass man sich nonstop darüber ärgern könnte. Ich habe eine Mauer aufgebaut, damit ich in dieser Welt klarkomme. Ich bin nicht überdurchschnittlich intelligent, aber ich verstehe Zusammenhänge. Und die frustrieren mich unglaublich.

ZEIT ONLINE: Aber das könnten Sie in Ihrer Musik ausdrücken.

Savas: Natürlich muss man sich ein bisschen verdummen. Ich stehe auch auf ganz primitive Sachen wie Autos. Ich hab auch gelernt, Gefallen an Geld zu finden und an schönen Sachen. Und ich würde auch andauernd Urlaub auf den Malediven machen. Aber Fakt ist, dass ich mich mit der ganzen Welt gar nicht beschäftigen kann. Sie ist krank und fertig, und wir sind sowieso verloren.