"Gott segne Island." Das Ende der Ansprache, mit der sich der isländische Regierungschef Geir Haarde am Montagabend an die kleine Inselnation mit den vielen Schulden richtete, klingt, als hätte er die Hoffnung schon aufgegeben. So, als ob der Ministerpräsident seine Mitbürger nun höheren Kräften überlassen würde.

Doch in den Minuten davor hat der Regierungschef der Bevölkerung vor Augen geführt, wie schlimm es um ihr Land steht. Daran schloss er den Appell, bloß nicht aufzugeben. "Wenn es jemals eine Zeit gegeben hat, in der die isländische Nation zusammenstehen und Tapferkeit angesichts der Not zeigen musste, dann ist es in diesem Moment", so Haarde. Worte, wie Churchill sie bei seinem Amtsantritt 1940 vor Regierung und Parlament benutzte. "Ich kann nichts anbieten außer Blut, Mühe, Schweiß und Tränen", sagte der britische Politiker damals, um alle Parteien auf gemeinsames Vorgehen in harten Zeiten einzuschwören.

Kurz nach Haardes Rede wurde angesichts der tiefen Krise, in der sich die Banken der Insel befinden, mit breiter Parlamentsmehrheit ein Rettungspaket beschlossen, das es in sich hat: Die isländische Regierung hat nun die Macht, die Banken zu verstaatlichen.

"Die Regierung hat die einzige Möglichkeit, die sie hatte, ergriffen. Ich bin zuversichtlich, dass es so gelingt, aus der Krise zu kommen. So wie Schweden es Anfang der 1990er auch geschafft hat", sagt Gylfi Magnusson, Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule in Reykjavik.

Kurz nachdem die Regierung die Verstaatlichungsmöglichkeit erhalten hat, gab die Finanzaufsicht bekannt, die Kontrolle bei der Landsbanki zu übernehmen. Dabei handele es sich um einen "notwendigen ersten Schritt (…), um weiterhin die Funktionstüchtigkeit des heimischen Bankwesens und der heimischen Einlagen zu garantieren", hieß es in einer Erklärung.

Bereits Ende der vergangenen Woche hatte die Regierung die Kontrolle über Glitnir übernommen, eine andere Bank. Damals war sie noch bereit, diese Position mit einer Kapitalspritze von 600 Millionen Euro zu erkaufen. Dass der Staat nun andere Mittel gewählt hat, zeigt, wie problematisch die Lage ist. Kaupthing, die einzig verbliebene der ehemals drei unabhängigen Großbanken, schickte schnell eine Meldung raus, dass es bisher keine ersten Schritte in Richtung Verstaatlichung gegeben hat. Doch das Vertrauen ist erschüttert. Aus gutem Grund: Während das Rettungspaket der USA rund fünf Prozent der Wirtschaftsleistung der USA entspricht, haben die Banken in Island eine Bilanzsumme, die ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts des Inselstaates beträgt. Das bedeutet, dass dieses Land sich aus eigener Kraft kaum retten kann.