Endlich! Die großen Notenbanken der Welt haben sich zusammentelefoniert und die Leitzinsen gesenkt. Das war ein wichtiger Schritt. Die Konjunktur bricht rund um den Globus ein, in den USA, in Europa, selbst in den Schwellenländern. Und das Weltfinanzsystem steht vor einer Kernschmelze, die den Zahlungsverkehr kollabieren lassen könnte und das Vertrauen in die Währung zu erschüttern droht. Die westliche Welt erlebt so etwas wie den ökonomischen Verteidigungsfall.

In einer solchen Zeit muss der Staat, müssen Regierungen und Zentralbanken aus allen Rohren feuern, wenn sie das System retten wollen. Banken müssen verstaatlicht und rekapitalisiert, die Konjunktur angekurbelt werden. Zinssenkungen sind ein zentrales Element in dieser Strategie: Denn niedrigere Zinsen machen Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger. Wichtiger noch: Sie helfen den Banken, weil sie sich billig bei der Zentralbank mit Geld versorgen können, das sie dann etwas teurer weiterreichen. Die Differenz streichen sie ein.

Klar, niedrige Zinsen treiben tendenziell die Inflation. Und es ist höchst ungerecht, jene Banken zu retten, die in den vergangenen Jahren gut verdient haben. Es wird sich vieles ändern müssen im Weltfinanzsystem. Doch jetzt ist nicht die Zeit für das große Aufräumen, jetzt geht es darum, den totalen Stillstand zu verhindern. Denn der träfe vor allem Menschen mit geringerem Einkommen. Die allgemeine Konjunkturschwäche wird den Preisauftrieb ohnehin bald von selbst dämpfen. Es mag angesichts immer noch hoher Benzinpreise verwunderlich klingen, doch die Gefahr einer Deflation ist für die Welt derzeit höher als die einer Inflation.

Finanzminister und Notenbanker können jede Krise eindämmen, wenn sie früh und entschlossen handeln. Es liegt in den Händen von Menschen wie Peer Steinbrück, Hank Paulson, Axel Weber und Jean-Claude Trichet, ob die Welt in eine neue große Depression mit allen ihren schrecklichen Folgen rutscht – oder ob sie noch einmal davonkommt. Der erste wichtige Schritt ist getan. Weitere müssen folgen.