Auch der Alltag der Antilleninsel Haiti ist beherrscht von Vaudou, der dämonischen Zusatzreligion der Einheimischen. Kein Haitianer, der nicht, trotz des verbreiteten Katholizismus, an die zahllosen Vaudou-Götter glaubt oder wenigstens ihre unheilvolle Macht und ihre Heilkraft fürchtet oder beschwört.

Vaudou ist auch eine unerschöpfliche Quelle allgegenwärtiger Kunst. Es ist ein Wunder, was an Grazie, Zauber und Phantasie den Menschen Haitis verblieben ist, obwohl sie auf  ihrer subtropischen Insel seit je und bis zum heutigen Tage mit Unterdrückung, Fron, Folter, Hunger leben müssen.

Haitianische Kunst ist mehr als Sonntagsmalerei, so gefällig sich die bunten Tafelbilder auch in den Häusern der Kunstsammler ausnehmen. Haitianische Kunst ist Teil der afroamerikanischen Kultur, einer weltweiten Ausdrucksform der Unterdrückten.

Ungeniert mischen sich hier Einflüsse aus aller Welt. Lange bevor es in den Metropolen der sogenannten zivilisierten Welt Mode wurde, hatten die Haitianer das erste Théatre de la Cruauté, den ersten Dada, Pop und die erste moderne Psychotherapie.

Eine Ausstellung in New York versucht jetzt eine zaghafte Annäherung an diese faszinierende Mischkultur, die beispiellos und beispielgebend ist für Ausdrucksformen des modernen Menschen.