Auch Spanien wird von einer schweren Immobilienkrise geschüttelt - doch bislang ging in dem Land keine Bank Pleite. Die Notenbank verbreitet weiterhin Zuversicht: "Die Spareinlagen der Spanier sind nicht in Gefahr", versichert ihr Chef Miguel Ángel Fernández Ordóñez. Um eine Krise zu vermeiden, wie sie andere Länder derzeit erleben, hat Premier José Luis Rodríguez Zapatero dennoch einen Staatsfonds mit einem Kapital von 30 Milliarden Euro geschaffen. Er soll "Qualitäts-Anleihen" der spanischen Banken und Unternehmen kaufen und ihnen dadurch Sicherheit verleihen.

Noch geht es den spanischen Großbanken im internationalen Vergleich gut. So hat die rein auf Spanien beschränkte Tochter der Banco Santander, Banesto, im dritten Quartal erneut eine Gewinnsteigerung von 12 Prozent auf 653 Millionen Euro hingelegt.  Immerhin handelt es sich um die viertgrößte Bank des Landes, die den Rückgang beim Kreditvolumen nicht durch ausländisches Geschäft kompensieren kann, wie es ihre Mutter tut.  Die Kreditausfallrate dieses Finanzinstituts ist mit 1,17 Prozent im internationalen Vergleich verschwindend gering. In den USA liegt die gleiche Kennziffer bei sechs Prozent.

"Für die spanischen Banken zahlt sich jetzt aus, dass sie all die Jahre so stark aufs Stammkundengeschäft gesetzt haben. Sie kennen ihre Kunden genau, konnten das Risiko einer Hypothekenvergabe besser einschätzen und haben rechtzeitig die Produkte besser diversifiziert als so manche ausländischen Wettbewerber", sagt José Luis Escrivá, Chefvolkswirt der zweitgrößten spanischen Bank BBVA. In Spanien gingen immer noch die meisten Bankkunden in ihre Niederlassungen, um Überweisungen zu tätigen, statt ins Internet. Das Gleiche gelte für Fonds und Aktiengeschäfte, sagt Escrivá. Ein Kundenbetreuer könne so das Risiko bei einem Kredit sehr gut einschätzen. 

Schon seit mehr als einem Jahr haben die spanischen Banken ihre Vergabe von Krediten massiv gedrosselt. Zusätzlich verschärfte die spanische Bankenaufsicht die Risikoauflagen für die Finanzinstitute schon vor zehn Jahren deutlich - mitten im Immobilienboom. Beides erweise sich nun als "Rettungsnetz", glaubt Manuel Romera, Direktor für Finanzwissenschaften an der Madrider Business Schule Instituto de Empresa. Obwohl manche Finanzdienstleister durchaus mit Liquiditätsschwierigkeiten zu kämpfen haben, werden Kreditausfälle in Spanien immer noch mit Rückstellung bis zu 150 Prozent  abgesichert: "Das ist vorbildlich in Europa."

Nicht nur das: Die Inspektoren der Notenbank Banco de España schauen sich das Geschäft der Finanzinstitute, das sich seit Anfang 2000 stark auf Hypotheken konzentrierte, schon lange ganz genau an. Die Einhaltung ihrer Vorgaben kontrolliert sie pingelig mit einer Genauigkeit, die in vielen anderen spanischen Branchen nicht anzutreffen ist.

"Die Banco de España lässt sich sehr detaillierte Daten geben: monatlich aus der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz sowie zur Entwicklung der Kredite, alle zehn Tage zu den Zahlungsströmen innerhalb Spaniens und an Ausländer", sagt Peter Reitze, für das Geschäft der WestLB in Spanien verantwortlich.