Nach dem Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten bei T-Mobile haben Politiker von Union und SPD die Regierung aufgefordert, ihre Pläne für mehr Datenschutz massiv nachzubessern. "Die Pläne der Bundesregierung sind noch nicht der Große Wurf, den wir zum Schutz der Verbraucher benötigen", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), der Neuen Osnabrücker Zeitung . Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte den Rücktritt von Konzern-Chef René Obermann.

Edathy verlangte unter anderem eine "Meldepflicht für Unternehmen" bei Datenmissbrauch. Er plädierte dafür, "Kundendaten in Unternehmen nur noch verschlüsselt zu speichern und eine automatische Protokollierung jedes Datenzugriffs vorzuschreiben". Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU): "Kunden müssen sofort informiert werden, wenn ihre Daten in falsche Hände gelangt sind. Das ist eine Bringschuld der Unternehmen, die wir gesetzlich festlegen sollten."

Nach Ansicht von BDK-Chef Klaus Jansen hat Telekom-Chef Obermann jede Glaubwürdigkeit verloren. "Entweder er wusste nicht, dass in seinem Konzern 17 Millionen Handynummern entwendet wurden oder er hat sein Wissen bewusst verschwiegen. In beiden Fällen ist er nicht mehr tragbar." Jansen regte an, "speziell ausgebildete Datenfahnder" einzusetzen, um Firmen besser zu kontrollieren. Der Aufbau spezieller Fahndungsabteilungen der Polizei in Bund und Ländern sei überfällig.

Bereits am Sonntag hatten Politiker auf die schnelle Einführung eines Qualitätssiegels für Datenschutz gedrängt. "Dieses Siegel sollten alle Unternehmen erhalten, die in diesem Bereich mehr tun, als der Gesetzgeber heute von ihnen verlangt", sagte der SPD-Rechtsexperte Dieter Wiefelspütz der Welt am Sonntag . Die Innenexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, sagte: "Nicht erst, wenn die Daten schon entwendet wurden, müssen sie sichergestellt, sondern schon von vornherein sicher gespeichert werden."

Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. "Die Daten der Bürgerinnen und Bürger sind bei der Deutschen Telekom nicht sicher", sagte Beck. Wo Datenberge entstünden, drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sprach sich dafür aus, die Einhaltung der Bestimmungen in
den Unternehmen schärfer zu überwachen. Der Datenschutz sei "finanziell und personell viel zu schlecht ausgestattet".

Wie der Spiegel berichtet, sind unter den entwendeten T-Mobile-Nummern auch geheime Nummern und Privatadressen von Politikern, Wirtschaftsführern und Milliardären, für die eine Verbreitung in kriminellen Kreisen sicherheitsbedrohend wäre. Das Bundesinnenministerium bestätigte, es seien Gefährdungsanalysen ausgearbeitet worden.