Das waren noch Zeiten damals. Als es Landstreicher gab, Streuner, die das ganze Jahr von Dorf zu Dorf zogen, mal arbeiteten, mal bettelten. Eigentlich fielen sie niemandem zur Last. Manchmal  bestellten sie die Felder, halfen bei der Ernte. Und erzählten kleinen Kindern Märchen.

Handwerker sind auch heute noch manchmal auf der Walz. Doch diese freiheitsliebenden jungen Männer streunen nach Plan. Sie dürfen drei Jahre lang über Land ziehen.

Es gibt auch die jungen Menschen, die die Fachliteratur Trebegänger nennt. Es sind vor allem verhaltensgestörte Jugendliche, oft delinquent, die ausreißen und nicht allein vor der Schule fliehen.

Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendliche (GFB) hat ein erlebnispädagogisches Projekt entwickelt, das die Jugendlichen gleichzeitig einfängt und nach dem Modell der Walz auf Reisen schickt. Ein halbes Jahr ziehen die Problemjugendlichen in einem renovierten Zirkuswagen durch Brandenburg und lernen dabei, ihren Wunsch zu fliehen zu beherrschen.

Es sind ausschließlich männliche Jugendliche, die am Projekt teilnehmen. Um eventuellen Übergriffen vorzubeugen. Ilja Weißleder, der das Projekt zusammen mit einem weiteren Pädagogen betreut, meint: "Die Jungs haben ordentlich was auf dem Kerbholz." Das ist milde ausgedrückt.

Die 15- bis 18-jährigen Jugendlichen haben Probleme, mit Aggressionen umzugehen, können sich in größere Gruppen nicht integrieren, verhalten sich unsozial. Und sie haben überall versagt: in der Schule, im Elternhaus und in anderen Einrichtungen.

Das Projekt "Auf der Walz" ist ihre letzte Chance. Sie haben alle bereits vielfältige Erfahrungen mit der Jugendhilfe. Und auch mit der Polizei: Diebstahl, Volksverhetzung, Raub, Drogen – typische Delikte. Nils Fladerer, der Leiter des Projekts, fasst zusammen: "Diese Jugendlichen ecken in der Gesellschaft stetig an."

Mit diesen harten Jungs also geht Ilja Weißleder auf Reisen. Im Zirkuswagen ziehen die Jugendlichen durch das Land Brandenburg, bleiben zwei bis drei Wochen an einem Ort. Ein Zuckerschlecken ist das für beide Parteien nicht. Erlebnispädagogische Projekte stehen im Verdacht, Abenteuertouren für verhaltensgestörte Jugendliche zu sein. Gerade Politiker wie der brandenburgische CDU-Innenminister Jörg Schönbohm unterstellen den Projekten hauptsächlich Eventcharakter.