Frisch erholt vom Urlaub erlebte Stephan Ellerhorst aus Köln vergangene Woche eine böse Überraschung. Er hatte plötzlich keinen Zugang mehr zu seinen 14.000 Euro, die er auf einem Internetkonto der isländischen Kaupthing-Bank angelegt hatte. "Eine Verfügung der Tagesgeld- und Festgeldkonten ist derzeit nicht möglich" heißt es seit Ende vergangener Woche auf der Homepage der Bank. Jetzt bangt der 38-jährige Familienvater um sein Erspartes. "Ich gehe davon aus, dass es so gut wie weg ist."

Im August hatte Ellerhorst die Summe angelegt, angelockt von 5,65 Prozent, welche die Kaupthing Edge auf dem Tagesgeldkonto versprach. "Ich bin ein Bankenhopper und lege mein Geld dort an, wo es die besten Zinsen gibt", sagt der Bauingenieur.

Doch eine Bankenpleite hatte er nicht einkalkuliert. Vergangene Woche spitzte sich in Island die Situation dramatisch zu. Die Regierung musste gleich drei Geldhäuser verstaatlichen - neben Landsbanki und Glitnir auch Kauphting, die als größte Bank des Landes als am stabilsten galt. Die aggressive Expansionspolitik der Geldinstitute, die vor einigen Jahren privatisiert wurden und seitdem auf internationalem Parkett groß mitmischen wollten, hat den kleinen Inselstaat fast zu Fall gebracht.

Regierungschef Geir Haarde nahm das Tabuwort "Staatsbankrott" in den Mund und bettelt seitdem weltweit um Kredite. Die isländische Krone hat gegenüber dem Euro 70 Prozent ihres Werts eingebüßt. Die größten Bankentitel sind vom Börsenhandel ausgesetzt. Die Lage ist so dramatisch, dass Island sogar über einen EU-Beitritt nachdenkt, um seine letzten Felle zu retten.

Dass Ellerhorst sich über den aufgeblähten, isländischen Bankensektor nicht ausreichend informiert hat, will er nicht gelten lassen. Vorgewarnt durch die Fachzeitschrift Capital legte er ausdrücklich nicht mehr als 20.887 Euro an – diese Summe sichert der isländische Einlagenfonds den Sparern zu. "Ich war nicht naiv. Alle vertrauensvollen Banken locken doch mit solchen Renditen – selbst jetzt noch."