Aravind Adiga hatte niemand auf der Rechnung. Der diesjährige Gewinner ist  der jüngste der sechs nominierten Autoren.

Michael Portillo, Vorsitzender der Jury, sagte bei der Preisverleihung, dass die Wahl des Preisträgers nicht einfach gewesen sei. Auch bei den anderen nominierten Büchern habe es sich um sehr starke Romane gehandelt. Ausschlaggebend sei jedoch letztlich gewesen, dass es Adiga in seinem Buch Der weiße Tiger gelinge, gleichzeitig zu schockieren und zu unterhalten. Sein Roman zeige die "dunkle Seite Indiens" und sei "in vielerlei Hinsicht perfekt".

So überraschend, wie die Vergabe des mit 64.000 Euro dotierten Preises, so ungewöhnlich ist der Vorsitzende der Jury. Unter John Major war Michael Portillo Verteidigungsminister. In den siebziger Jahren beriet er Margaret Thatcher. Inzwischen hat er sich vom rechten Hardliner zum moderaten Konservativen gewandelt und nach seinem Ausscheiden aus der Politik eine zweite Karriere als Journalist begonnen. Seit 2002 moderiert er eine Talkshow auf BBC Four.

Portillo ist die schillernste Figur der Jury. Neben ihm diskutierten in diesem Jahr die Literaturkritikerin Alex Clark, die Schriftstellerin Louise Doughty sowie der Gründer der Buchladenkette Ottokar's Bookshop, James Heneage, und der Schauspieler und Autor Hardeep Singh Kohli über die Preisvergabe.

Der prämierte Roman des 33-jährigen Inders Aravind Adiga handelt von Balram Halwai, dem Sohn eines Rikscha-Fahrers. Halwai schafft den Aufstieg zum Unternehmer. In sieben Briefen an den chinesischen Ministerpräsidenten, der gerade die Computer-Metropole Bangalore besucht, beschreibt er seinen Weg aus dem Nichts eines kleinen indischen Dorfes bis in das Silicon Valley der "größten Demokratie der Welt". Dabei erfährt der Leser sehr bald, dass dieser Aufstieg nur durch den Mord an Halwais früherem Chef, bei dem er als Diener und Fahrer angestellt war, möglich gewesen ist.