Bürgerrechtler danken der Telekom – Seite 1

Derzeit sind Bürgerrechtler und Datenschützer hochzufrieden mit der Telekom; ein wohl einmaliger Zustand. Doch deren Pannen bestätigen exemplarisch die Befürchtungen der Gegner von Überwachungsmaßnahmen. "Wir können alle der Telekom herzlich dafür danken, dass sie uns wunderbarerweise zeigt, dass Daten, die gehortet werden, niemals sicher sind und missbraucht werden", sagte der Künstler und Netzaktivist padeluun am Samstag in Berlin auf einer Kundgebung gegen die Vorratsdatenspeicherung.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte kurz zuvor gemeldet, die komplette Kundendatenbank der Telekomtochter T-Mobile sei via Internet vergleichsweise einfach zugänglich und gar manipulierbar gewesen.

"Die Telekomaffäre zeigt, wie unsicher die Daten bei Telekommunikationsgesellschaften sind. Und der Staat nimmt diese unzuverlässigen Firmen bei der Vorratsdatenspeicherung auch noch in die Pflicht", sagte Wolfgang Wieland, der Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Innere Sicherheit, ZEIT ONLINE. Die Vorratsdatenspeicherung sei nicht zuletzt deshalb ein gefährlicher Irrweg.

Nach dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung sammelt die Telekom seit Anfang des Jahres die sogenannten Verbindungsdaten von allen geführten Gesprächen, also Ort, Zeit und Nummer der Beteiligten und speichert sie sechs Monate lang. Ab 2009 soll auch jede Kommunikation über das Internet und via Email erfasst werden.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Telekom zugeben müssen, dass die Handynummern, Geburtstage und auch Kontoverbindungen von 17 Millionen T-Mobile-Kunden vor zwei Jahren gestohlen und verkauft worden waren. Nun musste man eingestehen, dass die komplette Datenbank der Mobilfunktochter zugänglich war. Nötig dazu waren zwei Benutzercodes und ein einfaches Passwort. Diese Zugangsdaten haben nicht nur unzählige Mitarbeiter der T-Punkt-Läden, sondern wohl auch Hacker besessen, berichtet das Magazin. Spiegel-Redakteure immerhin konnten die Datenbank öffnen, Adressen oder Bankverbindungen einsehen und sogar verändern.

"Fast alle IT-Systeme der Nation sind so gesichert", sagte Telekomsprecher Phillipp Blank dazu. "Es kann nicht die Rede davon sein, dass es nicht gesichert war." Trotzdem hatte man nach einem Hinweis des Magazins am vergangenen Donnerstag umgehend ein geändertes Verfahren eingeführt und die Passwörter getauscht. Nun ist die Mitarbeit des Kunden notwendig, um seinen Datensatz zu ändern. Der erhält vom System eine SMS mit einem vierten Code, der vom Mitarbeiter eingegeben werden muss.

Bürgerrechtler danken der Telekom – Seite 2

Das Vertrauen in die Datensicherheit wird das kaum erhöhen. Genauso wenig wie die Tatsache, dass die Telekom nach einer Reihe von Skandalen nun endlich eine Art Datenschutzbeauftragten einstellen will. Ein externer Datenschutzrat soll das Unternehmen beraten, außerdem will man einen Vorstandsposten für Datenschutz schaffen, der ein Veto-Recht bei allen Entscheidungen haben soll, die den Datenschutz betreffen.

Auf der Kundgebung in Berlin hatte man für die Telekom nur Spott übrig. Doch lustig fand man es auf keinen Fall. "Freiheit statt Angst" war das Motto der Demonstration. Und um Angst vor allem geht es. Die von der Polizei geschätzten 20.000 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen von zum Schluss 100.000, sind auch ein Ausdruck dafür, dass immer breitere Schichten der Bevölkerung dem Staat und der Wirtschaft nicht mehr trauen. Und dass sie das Gefühl haben, dass auch ihnen nicht mehr getraut wird. "Der Staat macht mir mehr Angst als die Terroristen", stand beispielsweise auf einem Plakat.

"Ein starker Staat ist der, der auf das Vertrauen der Bürger setzt", sagte der Grünenpolitiker Wieland. Ein Trojaner aber, der Computer infiltrieren solle, sei kein Ausdruck von Vertrauen.

Ein Telekommunikationsunternehmen, das Datenpannen nur zugibt, wenn es dabei erwischt wird, sicher auch nicht. Am Freitag hatte die Telekom ihre neuen Datenschutzpläne vorgestellt. Der mögliche Zugang zur Mobilfunkdatenbank war dabei nicht erwähnt worden.