Wenn sich heute die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel einfinden, um über ihr weiteres Vorgehen in der Finanzkrise zu beraten, wird es vor allem um eins gehen: der Welt zu zeigen, dass Europa geschlossen handelt. Die Bundesregierung erwarte "ein Zeichen der Entschlossenheit zu einem konzertierten und umfassenden Handeln", verkündete der Regierungssprecher im Vorfeld. Man erwarte von dem Treffen wichtige Impulse für eine künftige Finanzmarkt-Ordnung. Die Bundeskanzlerin wünscht sich von dem Treffen ein "großes Signal der Einigkeit".

Erwartet wird, dass die Spitzen aller 27 Mitgliedstaaten jenen Weg bestätigen werden, den die 15 Staaten der Euro-Zone am Sonntag in Paris bereits eingeschlagen haben. Damals vereinbarten sie eine gemeinsame Strategie zur Überwindung der Finanzkrise. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte von konzertiertem Handeln keine Rede sein. Ein Vergleich der Maßnahmenpakete der einzelnen Staaten offenbart einen Fleckenteppich von unterschiedlichen Beteiligungsmodellen, Garantiemodellen und Finanzspritzen.

In Großbritannien mauserte sich Premierminister Gordon Brown zu Europas Lehrmeister. Sein Plan wies den europäischen Partnern den Weg aus der Krise. Die britische Regierung hatte sich zuvor an den drei größten britischen Banken beteiligt. Außerdem stellte sie den Banken 50 Milliarden Pfund für direktes Eigenkapital zur Verfügung. Damit sich die Banken mittelfristig finanzieren können, gab sie eine Staatsgarantie für Kredite in Höhe von 250 Milliarden Pfund aus. Die Banken müssen im Gegenzug ihr Eigenkapital auf neun Prozent erhöhen.

Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern zog man daraufhin mit nationalen Rettungsplänen nach. Sie haben bis heute einen Gesamtumfang von rund zwei Billionen Euro. Auf Deutschland entfallen allein knapp 470 Milliarden Euro. Davon sind 400 Milliarden Euro als Garantien für das Interbankengeschäft gedacht. Banken sollen einander künftig wieder Geld leihen. Mit weiteren 70 Milliarden Euro sollen direkte Kapitalspritzen an schlingernde Banken gegeben werden. Die Regierung will im Gegenzug bei Managergehältern, der Geschäftsstrategie und der Kreditvergabe mitreden. Mit neuen Bilanzierungsregeln soll zudem verhindert werden, dass Kreditinstitute ihr Anlagevermögen ständig auf den niedrigsten Wert abschreiben müssen.

Zuvor hatte Irland für Unmut gesorgt, indem es im Alleingang eine staatliche Garantie für Vermögen von Privatpersonen und Unternehmen ausgesprochen hatte. Die kurz- und mittelfristige Liquidität und Finanzierungskraft der irischen Banken sollte gewährleistet werden. Andere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, fürchteten daraufhin einen Kapitalabfluss zu den irischen Banken. Sie sprachen daraufhin ebenfalls eine staatliche Garantie für privates Einlagevermögen aus.

Am Dienstag stimmte Frankreichs Parlament dem französischen Rettungspaket zu. Einen Tag nach der Vorstellung durch die Regierung hat die französische Nationalversammlung das auf 360 Milliarden Euro veranschlagte Rettungspaket für den Finanzsektor verabschiedet. Der Senat soll noch am Mittwoch über die Gesetze entscheiden. Damit könnten die Maßnahmen noch vor dem Wochenende umgesetzt werden. Wie das deutsche Paket sieht das französische Bündel Bürgschaften für Interbankgeschäfte vor und Hilfe bei der Rekapitalisierung von Instituten, die in der Finanzkrise massiv an Eigenkapital verloren haben.