Der britische Premierminister Gordon Brown forderte, der Internationale Währungsfonds (IWF) müsse erneuert und an die Erfordernisse des globalen Finanzsystems angepasst werden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine neue Finanzmarkt-Verfassung aus, über die auf einem internationalen Gipfel im November zu beraten sei, damit "so etwas sich nie wiederholen kann". Den Gipfel hatte als erstes der französische Präsident und amtierende EU-Ratschef Nicolas Sarkozy propagiert. Doch ehe Konsequenzen aus der Krise gezogen werden können, müssen die Regierungen sie zunächst unter Kontrolle bringen.

Alle EU-Länder sollen jetzt dem Beispiel Großbritanniens und der 15 Euro-Länder folgen, die am Sonntag ein gemeinsames Rettungskonzept beschlossen hatten. Dieses füllten inzwischen 13 EU-Länder mit Leben und kündigten direkte Finanzspritzen und Garantien für die Banken von gut 2,2 Billionen Euro an. "Wir müssen darum kämpfen, das Ende des Tunnels zu erreichen", sagte EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia. Noch sei man in Phase eins, wo es gelte, die Märkte zu kurieren.

Die EU-Kommission legte als Reaktion auf die Finanzkrise neue Regeln zur Einlagensicherung vor. Um Sparer zu beruhigen, sollen bei Banken ab sofort mindestens 50.000 Euro an Ersparnissen vor einem Zahlungsausfall geschützt sein. Die EU ändert außerdem umgehend die Regeln zur Bilanzierung von Wertpapierbeständen, damit die Banken im dritten Quartal nicht erneut zu massiven Abschreibungen gezwungen sind.

Almunia forderte, die Diskussion darüber, wie die Märkte besser funktionieren könnten, müsse schon beginnen. Davon hält der der Chef der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, wenig: "Ein intensives Gespräch über neue Regeln, die weltweit gültig wären, das kann man mitten in der Krise nicht machen." An den Börsen ist die Euphorie über die gewaltigen Rettungspakete derweil schon verflogen. Unter den Anlegern wächst die Angst vor einer weltweiten schweren Rezession. In Deutschland und der Euro-Zone ist 2009 kaum Wachstum zu erwarten.

Angesichts der trüben Aussichten wächst der Druck auf die EU, ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele zu verwässern. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi forderte eine Aussetzung der Ziele zur Verringerung des CO2-Ausstosses. Angesichts der Krise seien die Belastungen durch die Reduzierung des klimaschädlichen Gases für die Wirtschaft zu groß. Polen drohte mit eine Veto gegen die bis Dezember gesetzte Frist, um zu verbindliche Zusagen beim Kampf gegen den Klimawechsel zu kommen.

Es sei verständlich, dass in einigen Ländern die Skepsis wachse, sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Die Regierungen stünden zunehmend unter dem Druck von Industriebranchen, die wegen der Finanzkrise Rücksichtnahme forderten. Doch Klimaschutz sei nicht etwas, was man sich nur in guten Zeiten leisten könne. "Lasst uns bei den Zielen bleiben, die einstimmig vereinbart wurden im vergangenen Jahr", forderte er daher. Die EU will den Ausstoß des Treibhausgases bis 2020 um 20 Prozent verringern, um den Klimawandel zu bremsen.