Es war wohl eine der kürzesten Erklärungen, die je am Ende eines Treffens der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs stand. Gerade eine Seite umfasst das Papier, von dem die sieben wichtigsten Industrienationen so sehnlichst einen Wendepunkt für die gebeutelten Weltfinanzmärkte erhoffen. Ohne die sonst üblichen Floskeln und gebetsmühlenartig wiederholten Interessenbekundungen reduzierten die Sieben ihre Forderungen auf fünf klare Botschaften.

"Dringende und außergewöhnliche Maßnahmen" kündigte der Club der reichen Länder an: wichtige Finanzinstitutionen sollen vor dem Untergang bewahrt, eingefrorene Kreditmärkte aufgetaut und privates wie staatliches Kapital "ausreichend" fließen, um das beinahe havarierte Finanzsystem wieder flott zu machen. Von einem "aggressiven Plan" sprach US-Finanzminister Henry Paulson, von "weitreichenden Verabredungen" sein deutscher Kollege Peer Steinbrück (SPD). Die zuletzt hypernervösen Börsen aber und die seit Tagen verunsicherten Investoren werden ihr Urteil an diesem Montag fällen.

Als hätten die Aktienmärkte den Druck auf die Politik bis zur Unerträglichkeit erhöhen wollen, hatten sie am Freitag ihren Absturz dramatisch fortgesetzt. Binnen einer Woche brach der japanische Nikkei-Index um 24 Prozent ein, der DAX verlor mehr als ein Fünftel. Dass der amerikanische Dow-Jones-Index nach einer wilden Berg- und Talfahrt um rund 1000 Punkte mit etwa 1,5 Prozent im Minus schloss, galt nach dem Blutbad der Vortage schon als moderat.

Entschlossenheit und Tatkraft sollte die Kürze des Aktionsplans wohl demonstrieren, nach der Devise: Die Zeit der langen Reden ist vorüber, und auch der langen Kommuniqués. Die zunächst auch diesmal geplante mehrseitige Erklärung, bei der die G7-Unterhändler sonst um jedes Komma feilschen, blieb kurzerhand in der Schublade. Paulson betonte: "Nie war es wichtiger, gemeinsame Lösungen zu finden, um stabile und effiziente Finanzmärkte zu schaffen und die Weltwirtschaft gesunden zu lassen." Zeitgleich, zwei Häuserblöcke weiter zog auch der deutsche Finanzminister sein Fazit. Das sehr kurze, eindringliche Papier enthalte "ziemlich klare Botschaften".

Die G7-Länder USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien seien sich einig, dass sie koordiniert vorgehen müssten, hieß es nach den mehrstündigen G7-Beratungen im US-Finanzministerium. Paulson wie Steinbrück schoben aber gleich nach, dass jedes Land je nach Lage auch weiterhin eigene Wege im Kampf gegen die massiven Turbulenzen einschlagen sollte.

"Naiv" sei, wer denke, verschiedene Staaten mit unterschiedlichen Ökonomien, Größen, Gesetzen und wirtschaftlichen Entwicklungsstadien könnten exakt dieselben Maßnahmen anwenden, so Paulson. Eins-zu-Eins-Kopien der Rezepte kommen auch für Berlin nicht in Frage. Deutschland steuert gerade auf ein umfassendes Paket zu, selbst eine Beteiligung des Staates an deutschen Banken wird nicht mehr ausgeschlossen. Es soll, hoffen Steinbrück und Bundesbank-Präsident Axel Weber, schon an diesem Montag eine "gewisse Signalwirkung" an den Märkten haben.