Als Populist und knallharter Taktiker hat Jörg Haider die politische Rechte in Österreich salonfähig gemacht. Wie kein anderer hatte der stets braun gebrannte, smarte Politiker jahrzehntelang das Bild des Alpenlandes im Ausland geprägt. Seine politischen Äußerungen – vom Lob der NS-Beschäftigungspolitik bis zur Forderung von elektronischen Fußfesseln für Asylbewerber – sorgten regelmäßig über die Grenzen hinaus für Empörung.

1986 übernahm der studierte Jurist Haider die Macht in der Freiheitlichen FPÖ und gab der politischen Rechten ein neues Gesicht. Vorbei war das Image der Rechten als "ewig Gestrige". Haider präsentierte sich als fescher, charismatischer Rebell, der für die Zukunft des Landes kämpft. Ein Wiener Journalist erfand für den Haider-Stil einmal das Wort "Feschismus".

Jahrzehntelang blieb Haider der "starke Mann" der rechten FPÖ und feierte mit ihr zahlreiche Wahlerfolge. Nach 26,9 Prozent Zustimmung bei der Parlamentswahl im Herbst 1999 zimmerte er mit dem konservativen ÖVP-Politiker und späteren Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an einer Regierungskoalition beider Parteien. Diese löste erstmals in der Geschichte der Europäischen Union Sanktionen der EU-Partnerländer gegen einen Mitgliedstaat aus. Haider, der als Strippenzieher im Hintergrund agierte, übernahm jedoch kein Amt in der Regierung. Nach internem Parteienstreit und Auseinandersetzungen mit seinem politischen Ziehsohn Heinz-Christian Strache spaltete sich Haider 2005 mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) ab.

Als Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) hatte sich der Sohn eines Schuhmachers und einer Lehrerin in den vergangenen Jahren aus der österreichischen Bundespolitik zurückgezogen. Schlagzeilen machte Haider dennoch weiter – wie mit dem Streit um zweisprachige Ortstafeln für die slowenische Minderheit in Kärnten oder durch die eigenmächtige Ausweisung von Asylbewerbern in die benachbarten Bundesländer.

Bei der österreichischen Parlamentswahl Ende September wollte es der Populist, dessen politisches Ende immer wieder prophezeit worden war, dann noch einmal wissen: Als Spitzenkandidat seiner bislang eher erfolglosen Partei BZÖ holte er mit dem "Haider-Faktor" rund elf Prozent und konnte damit das Ergebnis seiner Partei mehr als verdoppeln. Statt als Rebell wie in seinen jungen Jahren gab er diesmal den weisen Landesvater aus Kärnten, der ganz Österreich retten will.