Der konservative kanadische Premier Stephen Harper muss trotz vorgezogener Neuwahlen weiter mit einem Minderheitskabinett regieren.

Seine Konservative Partei konnte am Dienstag ihren Vorsprung als stärkste Kraft zwar ausbauen, verfehlte aber abermals die absolute Mehrheit. Die Kanadier gaben damit zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren keiner Partei einen klaren Regierungsauftrag.

Die oppositionellen Liberalen mussten herbe Verluste einstecken. In den Medien brachen umgehend Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von Parteichef Stéphane Dion los.

Nach Auszählung des Großteils der Stimmen hatten Harpers Konservative am Mittwochmorgen mindestens 138 der insgesamt 308 Parlamentssitze gewonnen, die Liberalen 73. Der Bloc Québécois, der die Unabhängigkeit des französischsprachigen Landesteils anstrebt, blieb mit mindestens 47 Sitzen etwa stabil. Die sozialdemokratische NDP konnte sich mit wenigstens 33 Sitzen deutlich verbessern.

Im flächenmäßig zweitgrößten Land der Welt waren mehr als 23 Millionen Menschen wahlberechtigt. Es gilt das Mehrheitswahlrecht.

Harper, der seit zweieinhalb Jahren mit einem Minderheitskabinett regiert, hatte die Neuwahlen vor fünf Wochen ausgerufen. Angesichts des damaligen Stimmungshochs für seine Partei hoffte er auf eine stabilere Regierungsmehrheit.

Während des Wahlkampfs gingen die Umfragewerte für die Konservativen jedoch deutlich zurück. Die Oppositionsparteien warfen Harper vor, zu passiv auf die weltweite Finanzkrise regiert zu haben.

Die Liberalen, die bis 2006 dreizehn Jahre lang ununterbrochen an der Macht waren, hatten für den Fall eines Wahlsiegs die Einführung einer Öko-Steuer angekündigt. Dion steht erst seit knapp zwei Jahren an der Spitze der Partei. Nach Einschätzung der Meinungsforscher konnte er den Bürgern seine Positionen nicht ausreichend vermitteln.