Wie fast jeder andere Junge mit vier Jahren tobt auch David Plöger gerne mit seinen Spielkameraden aus dem Kindergarten herum. Allerdings ist das nicht immer selbstverständlich gewesen, denn David hat einen Herzfehler. Seit fünf Wochen pumpt das Organ in seiner Brust allerdings mit einer neuen Herzklappe. Das Besondere daran: Die Klappe wächst mit.

Möglich macht das eine neue Methode, die Forscher unter der Leitung von Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erstmals entwickelt haben. Dazu wird das Implantat einer sogenannten Zellwäsche unterzogen. Dabei lösen sich alle Zellen des Spenders komplett von der Herzklappe. Übrig bleibt ein feines Kollagengerüst, das nun mit Zellen des Empfängers umwachsen wird oder direkt eingepflanzt werden kann. Dank der Zellwäsche nimmt auch Davids Körper das Implantat als eigenes Gewebe an, weshalb es auch mitwachsen kann.

Bislang gab es bei Herzklappen nur zwei Möglichkeiten: Entweder es wird eine biologische Klappe, etwa vom Schwein, eingepflanzt oder aber eine künstliche. Das Problem: Bei Kindern wächst keine der beiden Varianten mit. Zudem verschleißt die Schweineklappe nach wenigen Jahren. Der Patient muss neu operiert werden. Die künstliche Klappe hat das große Manko, dass sie ohne die lebenslange Einnahme blutverdünnender Medikamente nicht funktionsfähig ist, da sich sonst lebensgefährliche Blutgerinnsel am Herzen bilden können.

Seit 1996 arbeiten die Hannoveraner Forscher an ihrem Verfahren und testeten es zunächst an über 200 Schafen. 2002 pflanzten sie erste von Zellen frei gewaschene Herzklappen Kindern aus Moldawien ein, die ansonsten kaum eine Überlebenschance gehabt hätten. Heute sind alle Kinder wohlauf, bestätigte das MHH.

Die neue Therapie komme derzeit für ein paar Hundert Kinder mit angeborenen Herzfehlern infrage, sagte ein Sprecher der medizinischen Hochschule. Allerdings sind Haverich und sein Team überzeugt, mit ihrer Zellwäsche vielen anderen Patienten auch im Erwachsenenalter helfen zu können. Denkbar seien Implantate, die Gewebe ersetzen, das durch Rheuma oder Unfälle geschädigt worden ist.

Für ihre Forschung sind die Mediziner aus Hannover am Dienstag zudem für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden. Im Dezember verleiht der Bundespräsident die Auszeichnung für herausragende Innovationen in der Wissenschaft.