Nullwachstum. Am Mittwoch verkündete der Internationale Währungsfonds, dass die Volkswirtschaften der USA und Europas im kommenden Jahr wahrscheinlich so gut wie gar nicht wachsen werden. Alles andere wäre auch ein Wunder angesichts der gewaltigen Lasten, die alle Industrieländer durch die Finanzkrise aufgebürdet bekommen.

Deutschland kann dabei keine Ausnahme bleiben, dafür ist die hiesige Wirtschaft viel zu sehr in die Weltwirtschaft eingebunden. Wenn die US-Bürger weniger teure Autos kaufen, gehen in München und Stuttgart Jobs verloren. Die deutschen Konsumenten springen nicht ein.

Auch im Boom der vergangenen zweieinhalb Jahre sprang die hiesige Konsumnachfrage kaum an. Gründe dafür gibt es viele: Die Löhne sind der Kaufkraft nach viele Jahre nicht gestiegen. Strom, Gas und Benzin sind teuer, und die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer erhöht und ihren Bürgern damit den Spaß am Verbrauch genommen. Egal, was die Regierung jetzt unternimmt, um die Nachfrage zu Hause zu stützen – das Land muss wohl durch eine Phase der Stagnation hindurch.

Macht doch nichts, könnte man denken, dann bleiben wir immerhin auf dem diesjährigen Niveau. Doch so ist es nicht. Stagnation bedeutet, dass des einen Mehr automatisch des anderen Weniger ist. Der gesellschaftliche Verteilungskampf wird also deutlich härter werden. Auch in der Politik: Will man mehr für die Bildung ausgeben, muss man entweder neue Schulden aufnehmen oder woanders Staatsausgaben streichen.

Stagnation bedeutet auch, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Denn Jahr um Jahr legt die Wirtschaft an Produktivität zu. Sie schafft also die gleichen Werte mit weniger Leuten. Wenn kommendes Jahr nicht mehr Waren nachgefragt werden als dieses Jahr, stehen damit nahezu zwangsläufig mehr Menschen auf der Straße.

Mit anderen Worten: Stagnation ist wirtschaftlicher Rückschritt. Das ist gut zu verwinden, wenn sie nur ein paar Monate anhält. Verlängert sich die Flaute aber über ein Jahr hinaus, summieren sich die Jobverluste, die Verteilungskämpfe werden noch härter, und manche Verbraucher verzagen.