Es soll ein "Staatsbegräbnis auf Landesebene" werden, verraten die Protokollbeamten in Klagenfurt. Noch eine Woche lang nimmt Kärnten öffentlichen Abschied von seinem Landeshauptmann Jörg Haider, der in der Nacht zum Samstag vergangener Woche in den Tod gerast war.

Von "Brutaltrauer" spricht die Schriftstellerin Lydia Mischkulnig, die darin gipfle, dass nun auf Strassen und Plätzen Wahlplakate mit dem Porträt des Unfallopfers angebetet würden. Trauerminuten an allen Schulen. Ein Meer von Kerzen am Unfallort, vor dem Sitz der Landesregierung und vielerorts, wo er Spuren hinterließ. Soldaten, die neben dem Kondolenzbuch Wache halten. Trauerbeflaggung. Öffentliche Aufbahrung im Wappensaal des Landhauses.

Haiders Parteifreunde sublimieren ihre Betroffenheit, indem sie den Abschied von ihrem Idol zu einem theatralischen Großereignis in der Provinz inszenieren. In Kärnten werden sich die Leute vermutlich noch lange dieser Tage der großen Gefühlsaufwallung erinnern und sich verklärte Geschichten über diesen großen Sohn ihres Heimatlandes erzählen, der eigentlich ein Zugereister aus Oberösterreich war.

Während im Süden Österreichs noch eine Weile die Zeit stillstehen dürfte, geht der Rest des Landes indes nach einem kurzen Schockerlebnis wieder zum politischen Alltag über. Milliardenpakete zur Absicherung des Finanzmarktes wollen geschnürt, eine neue Regierung will  gebildet werden. Insgeheim herrscht aber Erleichterung, von dem ewigen Unruhestifter befreit worden zu sein. Das erklärt auch die vielen respektvollen Nachrufe selbst von eingefleischten Widersachern. Haiders selbsternannten Nachfolger, den ungleich derber polternden Heinz-Christian Strache glauben Rot und Schwarz leichter in den Griff bekommen zu können.

Vor allem die Koalitionsgespräche zwischen Sozialdemokraten und Konservativen, den Verlierern der Parlamentswahlen vor zwei Woche, werden durch den Tod des Volkstribunen Haider beschleunigt und erleichtert. Zwar haben die Getreuen aus dem inneren Kreis rasch die Nachfolge geregelt und Diadochenkämpfe vermieden. Doch das Vakuum, das Haider hinterlässt, verhindert vorläufig, dass die Rechtsnationalisten bei einer Regierungsbildung weiterhin eine Option darstellen.

Denn das so genannte Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), das Haider nach heftigen internen Konflikten von seiner alten Partei, den Freiheitlichen, abgespalten hatte, war vollkommen auf ihn fokussiert. Es war weniger eine politische Partei im herkömmlichen Sinn, sondern eher sein persönlicher Fanklub. Mit ihm, das hatten die vergangenen Wahlen gezeigt, war das BZÖ zu erstaunlichen Wahlsiegen befähigt, ohne ihn ist es zum Untergang verurteilt. Haiders Nachfolger in Kärnten werden nun versuchen, einen Mythos zu errichten und in bombastische Dimensionen zu steigern, um zumindest in der engeren politischen Heimat ihres Abgottes noch möglichst lang von einer Art Gedenkverehrung zehren und so als regionale Größe überleben zu können.

Das Wählerreservoir, das sich Haider zuletzt wieder erschlossen hatte, immerhin 11 Prozent, ist nun heimatlos und nur mehr eine virtuelle politische Kraft. Um diese Wähler werden sich nun die freiheitlichen Rechten mit den Konservativen balgen. 21 Abgeordneten wird Haiders Partei in das nächste österreichische Parlament entsenden – eine Fraktion, die vor allem einen Toten vertritt.