Es endete, bevor es begann: Der ehemaligen Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer wird den ihm von Bundeskanzlerin Angela Merkel angebotenen Vorsitz einer Expertengruppe zur Finanzkrise nicht übernehmen.

Der 77-Jährige stehe angesichts der Kontroversen um seine Person nicht zur Verfügung, ließ er mitteilen. Tietmeyer, der Aufsichtsrat des mit staatlicher Hilfe geretten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) ist, habe gegenüber dem Kanzleramt am Mittag seinen Rückzug erklärt.

Die von Merkel im Alleingang verkündete Einsetzung der Finanzmarkt-Expertengruppe unter Leitung Tietmeyers war bei der SPD auf heftige Ablehnung gestoßen. "Mit uns ist darüber nicht gesprochen worden", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß. "Der Mann wäre die klassische Fehlbesetzung". Offenbar hätten die privaten Banken ihren Einfluss im Kanzleramt geltend gemacht, "damit irgendein Bremser und Weichspüler eingesetzt wird", sagte Poß. Mit dem HRE-Aufsichtsrat Tietmeyer werde "der Bock zum Gärtner" gemacht, kritisierte Poß.

Merkel hatte am  Morgen im Bundestag angekündigt, dass die Expertengruppe in Vorbereitung internationaler Konferenzen Vorschläge für weltweite Finanzmarktregeln ausarbeiten solle. Tietmeyer verfüge über "erhebliche Erfahrungen", argumentierte Merkel und hob seine Rolle bei der Verhandlung der Baseler Eigenkapitalrichtlinien ("Basel II") hervor. Der Vorschlag Merkels, Tietmeyer mit der Leitung der Expertengruppe zu betrauen, hatte im Bundestag vor allem in den Reihen der Linken für Gelächter gesorgt.

Nach dem Rückzieher Tietmeyers will die Bundesregierung nun bis zum Wochenende klären, wer die geplante Finanzexpertengruppe leiten soll. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, bis dahin werde eine Entscheidung über die Zusammensetzung des Beratergremiums mit nationalen und internationalen Experten fallen. Die Entscheidung Tietmeyers sei im Kanzleramt "mit Respekt" aufgenommen worden.