"So sind die aus dem Westen", sagt der Regisseur. Ob er nicht einen Film über Istanbul drehen könne, hatte ihn ein Freund aus "Europa" am Telefon gefragt. Doch statt einen Film zu drehen, beginnt er in Sebnem Işigülzels Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die ironischerweise von einer Mode-Ikone aus dem Westen handelt: Wie ich Marilyn Monroe in Istanbul zum Lachen brachte.

Aber ist denn Istanbul, ist die Türkei schon in Mode? Oder ist die erhöhte Aufmerksamkeit nur eine Folge des diesjährigen Schwerpunkts der Frankfurter Buchmesse?

Ganz egal, schön das solche Bücher wie Unser Istanbul erscheinen. Denn die türkische und in diesem Fall die junge türkische Literatur ist allemal interessant. Die Herausgeberin des Sammelbandes, Constanze Letsch, bekannt durch die Perlentaucher-Kolumne "Post aus Istanbul", hat elf Autorinnen und Autoren gebeten, eine Geschichte über ihre Stadt zu schreiben.

Herausgekommen ist dabei ganz Unterschiedliches. Faruk Duman, mit Jahrgang 1974 der Jüngste unter den Autoren, greift gekonnt in Die Bastei auf die klassische Erzählsituation zurück. Unter Seeleuten wird die Geschichte eines Schmieds erzählt, der in seiner Jugend einer Intrige zum Opfer fällt und angeblich seinen Herrn erschossen haben soll. Mit der Wiederholung "als Istanbul noch eine Olive war" am Beginn jedes Abschnitts zitiert er die mündliche Erzähltradition des Orients und versetzt den Leser in jene mythische Vergangenheit, die für Märchen so charakteristisch ist.

Ayşegül Devecioğlu erzählt dagegen ganz realistisch von einer Frau, die in einer wohlhabenden Gegend der Stadt lebt. Vom Fenster ihrer Wohnung aus beobachtet sie zwei Männer und eine Frau, die sich an den Früchten der Obstbäume auf einem verwilderten Grundstück, auf dem sie in einer ärmlichen Hütte leben, satt essen. Als sie der Frau einmal auf ihrem Weg aus dem Viertel folgt, landet sie in einem versteckten Gebetsraum einer Glaubensgemeinschaft, von der sie noch nie etwas gehört hat.

Neben Daruk Duman bedient nur noch die Erzählung Die Katzen der gnädigen Frau von Ali Teoman Erwartungen des Lesers an eine "orientalische" Erzählung. Wobei es in dieser Geschichte um das Verschwinden eines Teils eben dieser orientalischen Geschichte Istanbuls geht: der großen Stadtvillen aus osmanischer Zeit. Immer mehr werden abgerissen und die Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern bebaut.