Es ist ein Schritt von historischem Ausmaß: US-Präsident George W. Bush kündigte am Dienstag eine teilweise Verstaatlichung der größten amerikanischen Banken an. Die USA würden für bis zu 250 Milliarden Dollar Anteile an den wichtigsten Instituten des Landes kaufen, sagte Bush bei einer Ansprache in Washington. Wie das US-Finanzministerium am Dienstag mitteilte, werden mindestens neun Institute den staatlichen Rettungsring ergreifen. Im Gegenzug sollen diese Managergehälter kappen und sich Auflagen unterwerfen. An den Börsen sorgte die Teilverstaatlichung für Erleichterung: Die Aktien vieler Banken sprangen mehr als zehn Prozent in die Höhe, obwohl der Dow Jones wegen der Rezessionssorgen frühe Gewinne wieder abgab.

Bush zufolge geht es bei der Rettungsaktion darum, die US-Wirtschaft "wieder auf den Weg des Wachstums" zurückzuführen. Es handele sich um "eine wesentliche, kurzfristige Maßnahme" zur Stabilisierung der Märkte. Der Eingriff bedeute keinesfalls das Ende freier Märkte. Der US-Präsident betonte, dass die Banken die Staatsanteile zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückkaufen könnten. Es werde allerdings eine Weile dauern, bis alle staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Wirtschaft voll greifen. 

Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson versicherte, keine der neun beteiligten Banken sei in ernster Gefahr. Der staatliche Einstieg erfolge ausschließlich im Interesse der weltgrößten Volkswirtschaft. Der Schritt sei bedauerlich, aber ohne Alternative. Paulson ändert damit seinen Kurs: Zuvor hatte der Finanzminister eine direkte Beteiligung bei Banken stets abgelehnt.

Die jetzt genannten 250 Milliarden Dollar sind Teil des bereits vor einigen Tagen beschlossenen Hilfspakets in Höhe von 700 Milliarden Dollar. Dieses wird nun aufgeschnürt und um die nun beschlossenen Beteiligungen ergänzt. Die Regierung wird dabei pro Institut jeweils für bis zu 25 Milliarden Dollar nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien erwerben. Diese werfen in den ersten fünf Jahren eine Dividendenrendite von fünf Prozent ab, später sollen es sogar neun Prozent sein. Zudem wird die staatliche Einlagensicherung FDIC bestimmte Verbindlichkeiten der Finanzinstitute garantieren, um damit den eingefrorenen Interbankenhandel zu enteisen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters nehmen zunächst die Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Bank of New York Mellon Corp die Gelder in Anspruch. Medienberichten zufolge sollen auch Merrill Lynch und State Street Corp Finanzspritzen erhalten. Der New York Times zufolge sollen Citigroup, JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo jeweils 25 Milliarden Dollar beziehen. An Goldman Sachs und an Morgan Stanley wolle sich der Staat mit je zehn Milliarden Dollar beteiligen.

Zudem soll die staatliche Einlagensicherung FDIC-Kreisen zufolge über drei Jahre bestimmte Verbindlichkeiten der Finanzinstitute garantieren, um damit den eingefrorenen Interbankenhandel zu enteisen. Auch soll die FDIC die Obergrenze für nicht verzinste Spareinlagen im kommenden Jahr aufheben, berichteten Medien.