Thomas Isselhard (39) ist Chef des Architekturbüros "ö.contur" im niedersächsischen Verden. Das kleine Büro hat sich auf energieeffizientes und umweltschonendes Bauen spezialisiert.

ZEIT ONLINE: Sie bezeichnen sich als Öko-Architekt. Was heißt das konkret?

Thomas Isselhard: Für mich gehören zwei Dinge dazu: Die Menschen sollen sich in den Häusern wohlfühlen – wir bauen also mit gesunden und ökologischen Baustoffen. Außerdem legen wir Wert auf energieeffizientes Bauen bei der Altbausanierung. Bei Neubauten realisieren wir mittlerweile fast ausschließlich sogenannte "KfW-40" und Passivhäuser.

ZEIT ONLINE: Welche Baustoffe nutzen Sie dabei?

Isselhard: Sie müssen möglichst wenige Auswirkungen auf die Gesundheit haben und so weit möglich Allergiker-gerecht sein. Deswegen arbeiten wir viel mit traditionellen Baustoffen wie Lehm, der völlig schadstofffrei ist und sehr gut die Feuchte reguliert. Das ist gerade im Winter, wenn die Luft trocken wird, wichtig. Früher war er ein Zeichen für Armut, jetzt erlebt er eine Renaissance.

ZEIT ONLINE: Und was versteht man genau unter Passivhäusern?

Isselhard: Das ist ein eher unglücklicher, weil schwer zu verstehender Begriff. Wir sprechen lieber von Solarkomforthäusern. Das sind Häuser, die überwiegend über Sonnenenergie beheizt werden und umgerechnet nicht mehr als ein Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen.

ZEIT ONLINE: Lässt sich ein Altbau überhaupt noch energiesparend sanieren?

Isselhard: Wichtig ist, dass man ein Gesamtkonzept hat und schaut, was mit dem Budget möglich ist. Es muss nicht immer eine vollständige Sanierung sein, auch Teilsanierungen sind möglich. Sie haben oft einen großen Effekt. Hier gibt der Gesetzgeber eindeutige Anreize: Je besser man dämmt, je besser der Gesamtzustand am Ende, desto leichter die Möglichkeit, an zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse zu kommen.

ZEIT ONLINE: Was kann man konkret verbessern?

Isselhard: Bei der Gebäudehülle gibt es enormes Potenzial. Wer heutzutage noch ein ungedämmtes Dach hat, für den ist eine entsprechende Wärmedämmung die beste Geldanlage. Auch eine zehn Jahre alte Heizung zu ersetzen macht in der Regel Sinn. Allerdings gilt: Erst die Dämmung optimieren und dann die hierzu passende Heiztechnik auswählen. Natürlich spielen hier erneuerbare Energien eine Rolle, etwa eine Solaranlage kombiniert mit einer ganz klassischen Gasbrennwerttherme. Manchmal ist auch der Wechsel zu einer Holzpelletheizung sinnvoll, aber das ist kein Patentrezept. Man muss immer schauen, was die wirtschaftlichste Variante für das einzelne Haus ist.