Um kurz vor zehn stimmen 476 Abgeordnete von 576 anwesenden mit Ja. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass das Gesetz, wie SPD-Fraktionschef Peter Struck es gesagt hat, "das Schlimmste verhindert". Dass die Banken sparsamen Gebrauch davon machen, die Finanzlast, die der Bund sich heute möglicherweise aufgebürdet hat, die Politik nicht auf Jahre hinaus handlungsunfähig macht.

Per E-Mail wird der Gesetzestext Minuten später in den Bundesrat geschickt. Dort treffen um zwanzig vor elf die ersten Ministerpräsidenten ein, bauen sich in der säulengeschmückten Eingangshalle vor Mikrofonen auf. Sagen erwartbare Sätze. Dass die Bundesländer zusammenstehen. Dass man besser gewesen sei, als die Amerikaner. Die hätten bekanntlich eine zweiten Anlauf gebraucht, um ihr Rettungspaket durchzubekommen. Dass die Lasten erheblich, aber vertretbar seien.

Im Sitzungssaal ist außer dem Gesetzestext mittlerweile auch der müde Bundesfinanzminister eingetroffen. Noch einmal wählt er dramatische Worte, um die Vorgänge zu beschreiben. Es habe sich um eine Abwehr von Gefahren für die Bundesrepublik gehandelt. Und dann spricht er Dank aus, dafür, dass auch die Ministerpräsidenten sich mit den Zugeständnissen, die die Regierung gemacht hat, zufrieden geben wollen. Diese warmen Worte sind bitter nötig. Am Dienstag hatten sich Steinbrück und die Länder-Finanzminister noch angeschrieen. Um kurz nach 13 Uhr stimmen auch die Länderchefs zu, einstimmig.

Was folgt, ist Routine, nur dass eben alles ein wenig schneller gehen muss als sonst. Per Boten wird der mittlerweile auf Büttenpapier gedruckte Gesetzentwurf zur Unterzeichnung an den Bundesfinanzminister, die Bundeskanzlerin und zuletzt zur Ausfertigung an Bundespräsident Horst Köhler ins Schloss Bellevue gebracht. Auch der hatte bereits am Morgen erklärt, er werde "umgehend unterzeichnen".

Unmittelbar danach wird der Abteilungsleiter des Bundesgesetzblattes beim Bundesanzeiger in Köln, Ralf Killian, einen Anruf erhalten. Der Gesetzestext werde auf "abgesicherten Datenleitungen per E-Mail" geschickt, sagt Killian. "Wir rechnen damit, dass wir am Nachmittag die Freigabe erhalten. Dann drücke ich umgehend auf den Knopf." Seine Mitarbeiter müssen eine Sonderschicht fahren. 30.000 Ausfertigungen werden noch am Abend angefertigt und am gleichen Tag per Post an Ministerien, Banken, Notare, Schulen, Bibliotheken und Privatpersonen, verschickt.

Die Kanzlerin hat zu diesem Zeitpunkt schon den nächsten Abendtermin hinter sich. In München nimmt sie an einer Festveranstaltung zum 250-jährigen Firmenjubiläum der MAN AG teil. Dass sie dort über die Begrenzung der Managergehälter reden wird, die Struck in der Bundestagsdebatte angemahnt hatte, ist kaum zu erwarten. Es beginnt wieder business as usual. Das jedenfalls hoffen sie in Berlin alle ganz dringend.