Das neue Jahrtausend schien gut zu beginnen für die beiden schwäbischen Zweckverbände Bodensee-Wasserversorgung und Landeswasserversorgung. Den kommunalen Organisationen, die dazu da sind, die Trinkwasserversorgung vom Schwäbischen Meer bis in den Großraum Stuttgart sicherzustellen und einen stabilen Wasserpreis zu gewährleisten, fiel 2001 ein Geschäft vor die Füße, das sie sich nicht entgehen lassen wollten. US-Investoren hatten sich angeboten, den Wasserversorgern die gesamte Infrastruktur mit allen Pumpwerken, Rohrleitungen und Hochbehältern für eine Laufzeit von 99 Jahren abzukaufen und sie einen Atemzug später an die ursprünglichen Besitzer, also die Städte und Gemeinden, zurück zu vermieten. Cross-Border-Leasing (CBL) nannte sich die Geschäftsidee, der auch zahlreiche andere Kommunen in Deutschland verfielen.

Die Verbände schlugen ein und bekamen dadurch wenig später einen "Barwertvorteil" von umgerechnet 35 Millionen Euro ausbezahlt. Das Risiko schien begrenzt. Rohrleitungen, so die verbreitete Meinung, seien schließlich nichts, was der Vertragspartner im Streitfall einfach davontragen kann.

Im Zuge der Finanzkrise erleben die beiden baden-württembergischen Verbände wie viele andere Gemeindeverantwortliche gerade ein böses Erwachen. Amerikanische Banken und Versicherer, die an den CBL-Geschäften mitverdienten, stecken in großen Problemen, manchen droht sogar die Pleite. Die Vertragspartner in good old Germany bekommen das schmerzhaft zu spüren. Erste Bürgermeister fordern den Ausstieg aus dem US-Leasing, doch das dürfte schwierig werden.

Die Schwaben sind nicht allein mit ihren Nöten. In Deutschland sind rund 200 Cross-Border-Leasingverträge bekannt, die von Mitte der neunziger Jahre bis 2003 geschlossen wurden. Die Idee ging von amerikanischen Investoren aus, die in den Genuss hoher Steuerersparnisse kommen konnten, wenn sie in europäische Infrastruktureinrichtungen investierten. Die Kommunen versprachen sich davon wiederum willkommene Finanzspritzen für ihre oft klammen Kassen.

So wurden in Deutschland von vermeintlich findigen Kämmerern fast wahllos Straßenbahnschienen, Abwasseranlagen oder Messehallen verkauft und zurückgemietet. Sogar Bundesunternehmen machten mit. So gehören beispielsweise Infrastruktureinrichtungen der Deutschen Flugsicherung, ICE-Züge der Deutschen Bahn und Briefverteilzentren der Deutschen Post je nach Vertrag 30 bis 100 Jahre lang amerikanischen Banken.

Zwar kam das grenzüberschreitende Geldkreislaufmodell 2004 zum Erliegen, nachdem die amerikanische Finanzverwaltung das Steuerloch gestopft hatte. Doch die bis dahin geschlossenen Verträge sind weiterhin rechtsgültig.

Welche Banken im Einzelnen an dem Geschäft beteiligt waren, lässt sich oft kaum mehr nachvollziehen. Wie der Kölner Fachautor Werner Rügemer, ein langjähriger Kritiker der Cross-Border-Leasingverträge, in Erfahrung gebracht hat, sind in den vergangenen Jahren Forderungen der amerikanischen Banken – ähnlich wie bei Immobiliengeschäften – zu Finanzprodukten gebündelt und weiterverkauft worden. "Die Städte wissen jetzt teilweise gar nicht, wem sie etwas schulden", so Rügemer.