Das schlimmste denkbare Szenario ist, dass die internationalen staatlichen Rettungsmaßnahmen nicht greifen, am Leasinggeschäft beteiligte Banken pleite gehen und dann deutsche Steuerzahler den Rückkauf ihrer Gleise und Kanalisationen stemmen müssen.

So weit ist es bisher noch nicht gekommen. Dafür drohen andere Millionenrisiken. Denn in den meist um die 1000 Seiten starken Verträgen mit ihren Geheimhaltungsklauseln, die immer schnell in Tresoren verschwanden und die fast nie vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurden, verpflichteten sich die deutschen Kommunen, das Geschäftsrisiko ihrerseits über einen Versicherer abzusichern. Häufig im Spiel war dabei der kürzlich mit 85 Milliarden Dollar vor der Pleite gerettete US-Versicherungskonzern AIG. Die Rolle von AIG sei oft nebulös, sagt Leasing-Experte Rügemer, es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass der Konzern sowohl als Versicherer als auch als Investor gehandelt habe.

Auch die Trinkwasserverbände im deutschen Südwesten haben sich bei AIG versichern müssen. Doch nach seiner Verstaatlichung ist der Konzern von US-Ratingagenturen herabgestuft worden. Die Leasingverträge sehen für so einen Fall vor, dass der deutsche Vertragspartner sich innerhalb von 90 Tagen einen besser beleumundeten Versicherer suchen muss.

Seit Anfang Oktober läuft deswegen eine europaweite Ausschreibung. Mit größter anzunehmender Sicherheit, sagt Rügemer vorher, werde ein neuer Versicherer höhere Beiträge als bisher verlangen. Wegen der noch langen Vertragslaufzeiten spricht man mittlerweile auch in den beiden Trinkwasserverbänden von möglichen zusätzlichen Kosten bis zu 20 Millionen Euro.

Wie viele der Leasingverträge ins Wanken kommen oder sogar platzen werden, weiß derzeit niemand. Eins ist aber klar: Haften dürfte am Ende der deutsche Steuer- und Gebührenzahler. Er sehe bisher kein "grundsätzliches Problem", sagte kürzlich dennoch der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), Vorsitzender beider schwäbischer Trinkwasserverbände – trotz der unerfreulichen Lage.

Wie die meisten der in Nöte gekommenen Rathauschefs und Kämmerer gibt er sich wortkarg. Die bisherigen Millionen aus dem Geschäft mit den Amerikanern hätten schließlich geholfen, den Anstieg des Wasserpreises zu dämpfen, beruhigt Schuster. Aus Verbandskreisen verlautet indessen, Erhöhungen um "wenige Cent" seien leider nicht auszuschließen.